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Das Fontane-Buch : Beiträge zu seiner Charakteristik ; Unveröffentlichtes aus seinem Nachlaß ; das Tagebuch aus seinen letzten Lebensjahren / hrsg. von Ernst Heilborn
Entstehung
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Von dem Moment ab, wo der Klerus aufmarschiert und teilt mit alten, mumienhaften, teils mit fanatisch-brutalen, am meisten aber mit stupiden, langweiligen und selbst gelang­weilten Gesichtern seine Litaneien herunterplärrt, ist alle Illusion gestört, und die Seele atmet erst wieder auf, wenn der betäubende Weihrauchduft hinter ihr liegt und Gottes Sonne auf offener Straße lacht und grüßt. Summa Summarum: Der Protestantismus kann einpacken ich habe den festen Glauben, daß die Menschheit auch mit ihm nicht abschließen, auch ihn überwinden wird, aber gegen den Katholizismus gehalten, muß er unser Freund und unsre ganze Liebe sein; denn wir, die wir ein Stück himmlischer Freiheit gekostet haben, können nur in ihm oder doch durch ihn das finden, was wir gebrauchen.

i2. 4. ;2. Briefe an Familie I, 5

Wer ein Auge für diese Dinge hat, dem kann es nicht ent­gehen, daß der Katholizismus, all seiner vielleicht berechtigten Klagen und Anklagen unerachtet, eine nach mehr als einer Seite hin bevorzugte Stellung unter uns einnimmt, und zwar am entschiedensten in dem Gesellschafts-Bruchteile, der sich dieGesellschaft" nennt. Es geht dies so weit, daß Leute, die sonst nichts bedeuten, einfach dadurch ein ge­wisses Ansehen gewinnen, daß sie Katholiken sind. Wie gering ihre sonstige Stellung sein mag, sie werden einer Art Religions-Aristokratie zugerechnet, einer Genossenschaft, die Vorrechte hat und von der es nicht bloß fcststeht, daß sie gewisse Dinge besser kennt und weiß als wir, sondern der, infolge dieses Besserwisscns, auch zukommt, in eben diesen Dingen den Ton anzugcben. Also zu herrschen.

AuS:Wanderungen"

Sie haben es vorzüglich getroffen:Die Sitte gilt und muß gelten." Aber daß sie's muß, ist mitunter hart. Und weil es so ist, wie es ist, ist es am besten: man bleibt davon und rührt nicht dran. Wer dies Stück Erb- und Lebensweisheit

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