Heft 
(1894) 81
Seite
107
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Afrikanische Lindrücke.

Von

Paul Neichard.

^Nachdruck untersagt.^

Wenn uns nach langem Mühen und Warten, nach Ueberwindung mannig­facher Schwierigkeiten endlich geglückt ist, die Theilnahme an einer Forschungs­reise zu sichern, so macht unendliches Hochgefühl unsere Brust schwellen. Im Schimmer der Romantik sehen wir fortan selbst das Altgewohnte mit anderen Augen an. Haben wir aber erst die Reise angetreten, so erreicht die Ungeduld, welche uns erfaßt hat, ihren höchsten Grad, wenn wir nach langer Eisenbahn- und Dampferfahrt den Ausgangspunkt unserer Expedition erreicht haben und dort den lästigen Vorbereitungsarbeiten unsere kostbare Zeit opfern müssen. Ist der heiß ersehnte Augenblick, der, wie uns scheinen will, ungebührlich hinans- gezogenen Abreise, endlich erschienen, so haben wir die Empfindung, als läge unser bisheriges Leben wie ein Traum hinter uns, wir stehen an der Pforte einer anderen Welt. Eine feierlich fremdartige Stimmung von hohem Ernste überkommt den Reisenden. Frei fühlt er sich nun von den drückenden Fesseln der Convenienz und des gesellschaftlichen Ceremoniells. Gesetzesvorschriften und Polizeiverordnungen können ihm jetzt nichts mehr anhaben. Dabei hebt ihn das stolze Bewußtsein, als civilisirter Mensch dennoch den allgemeinen Sitten­gesetzen freiwillig Genüge zu thun, und gehobenen Muthes sagt er sich, von jetzt an befiehlst du allein. Du kannst unbehindert deinen Eingebungen folgen. Bald schon macht sich das Gefühl geltend, daß seine Eigenart von nun an zu ungestörter Entwicklung kommen kann. Doch wir gleichen in unserem Thun und Treiben einem Pendel, in dessen Schwerpunkt unser Empfinden liegt. Fließt sorglos in gewohnter Arbeit das Leben dahin, so hängt dies Pendel im Gleichgewicht. Jede Berührung von außen aber bringt es in Schwingungen, deren Ausschlag von der Stärke des empfangenen Stoßes abhängt und erst allmälig stellt sich auch in der veränderten Lage Gleichgewicht ein. So auch jetzt, wo die Stärke des Stoßes eine sehr beträchtliche war.

Mit großen Plänen, deren Ausführung wir uns Schlag aus Schlag ge­dacht haben, tragen wir uns; doch bald schon müssen wir sehen, wie wenig die