Ein schöner Mann, der auf sich hielt, seinem Aussehen alle erdenkbare Ehre antat, dem Anlegen des vielgefalteten Jabots die gebührende Sorgfalt zukommen ließ, die „Tour", die auf den kahlen Schädel aufgeklebt wurde und deren Ablösung nicht ohne Schmerzen vonstatten ging, als ein Opfer trug, das er der Gesellschaft zu bringen hatte. Causeur, Gascogner, Phantast. Der Mann der fragwürdigen Rechenkünste und der wohlgefälligen Selbstgespräche. Ein Tierliebhaber, der den Schützlingen zuliebe heimliche Raubzüge in die eigene Speisekammer unternahm, aber auch ein Wohltäter der Armen. Ein „sokratischer" Vater. Unzärtlich, durchaus kein Don Juan, aber ein Freund pikanter Histörchen. Einer, der niemals arbeiten gelernt hatte, aus Langeweile an den Spieltisch geriet, sein nicht unansehnliches Vermögen vertat, sich der eigenen Schwächen bewußt war, in Gegenwart des zwölfjährigen Sohnes darüber weinte, sich dann aber, in allerdürftigste Lebensumstände geraten, philosophisch damit abzufinden wußte: „eigentlich ein schiefgewickelter oder ins Apothekerhafte übersetzter Weltweiser. Hinter allerhand tollem, einseitigem und übertriebenem Zeug verbirgt sich immer ein Stück wohlberechtigter Lebensanschauung."
Was Theodor Fontane von dem Vater unterschied: er hatte noch eben zu rechter Zeit arbeiten gelernt, seiner Phantasie war Richtung gegeben. Immerhin trat auch er mit Charaktereigentümlichkeiten ins Leben hinaus, die es ihm nicht leicht machten, sich in sich selber zurechzufinden.
Er selbst hat die Fontanes alle als hartgesottene Egoisten bezeichnet, sich auch zu jenem fontaneschen Charakter bekannt, „der sich in alles findet, in Klugheit und Dummheit, in Noblesse und Gewöhnlichkeit, in Freundschaft und Gleichgültigkeit, vorausgesetzt, daß er selber nicht malträtiert wird und genug zu essen hat". Den Egoismus im eigenen Wesen — in der Schilderung des gleichen Auges bei seinem Freunde Scherenberg leuchtet etwas wie Selbstironie auf — hat er
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