der Cottagetür besaß er nicht. Nahezu vierzig Jahre waren seit seinem Londoner Aufenthalt verstrichen, und noch sollte er im Jahre 1891 schreiben: „Nur davon kann ich nicht abgehen, daß diese englische Inszenierung des Lebens mich mit einem unsagbaren Wohlbehagen erfüllt und mir die Brust weitet, wie wenn der Duft eines Resedabeetes zu mir ins Zimmer dringt. Ein Zustand, von dem ich bei Berliner Kanalluft weitab bin."
Das englische Erlebnis aber war im Grunde nur ein Vorwegnehmen dessen, was den Heimgekehrten in Deutschland erwarten sollte. Schon in den sechziger Jahren begann der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland einzusetzen, er wurde in den siebziger Jahren allgemein. Das Deutschland des Sehnens und Träumens, in dem Fontane aufgewachsen war, versank; ein Land mit sehr realem Machthunger und dementsprechender Einschätzung der Wirklichkeitswerte war an dessen Stelle getreten. Der Reichtum wuchs, er gebot. Die Lebensführung wurde großzügiger. Und wie einst vor der Tür des englischen Cottage, fand sich Fontane nunmehr, gealtert, vor der der Berliner Grunewaldvilla, und wenn nicht mehr als Waisenknabe, so doch als ein nicht recht Dazugehöriger. Wobei es wenig Unterschied ausmachte, ob an der Wohnungstür der Name eines reichen Mannes, eines märkischen Adligen, oder eines preußischen Geheimrats stand.
In England also setzte dieser Kampf um den Lebensstil bei Fontane ein, und er begann innerlich mit der Niederlage. Zunächst ertönten nur ohnmächtige Klagen, die bei dem Temperament dieses Briefschreibers zu nicht minder ohnmächtigen Anklagen wurden. Von der „popligen Unteroffizierswirtschaft der preußischen Verwaltung", von der sich Fontane abhängig sah, ist da die Rede, das Selbstgefühl bäumte sich auf, aber das war auch alles.
Die Ironie des Schicksals wollte es, daß Fontanes Einnahmen in London wesentlich stiegen. Nicht ohne einige
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