Selbstpersiflage konnte ein Brief aus damaliger Zeit melden: „die Fontanes haben einen Groom"; mit ersichtlicher Andacht aber und liebenswürdigem Behagen durfte in demselben Brief die Einrichtung des fontaneschen Salons (Tapete mit doppelter, erst blumenverzierter, dann pon- ceaufarbener Umrahmung) geschildert werden. Um so härter traf Fontane der Rückschlag bei seiner Heimkehr nach Deutschland. Der Sturz des Ministeriums Manteuffel hatte ihn veranlaßt, auf seine Londoner Korrespondententätigkeit, die er im Dienste ebendieses Ministeriums ausgeübt hatte, zu verzichten, stellungslos, mußte er sich und den Seinen in Berlin zunächst wieder mit Stundengeben durchhelfen. Das Jahr 1859 wag eins der härtesten seines Lebens gewesen sein. Fand Fontane dann im Juni 1860 die Anstellung in der Redaktion der Kreuzzeitung, war da-. mit ärgstem Kummer ein Riegel vorgeschoben — die Kümmernis blieb. „Aber sich durch ein mutiges, arbeit- und mühevolles Leben nichts als Sorge für das Alter errungen zu haben, ist doch, nach der Seite äußeren Erfolges hin, zu wenig." (1870.)
Auch war Fontane keineswegs gewillt, sich mit dem bißchen literarischen Ansehen, das er im Lauf der Jahre und mühsam genug gewonnen hatte, für das, was ihm das Leben an realen Werten schuldig geblieben war, abspeisen zu lassen. Im Gegenteil! Es war der forsche Zug in seiner Natur, daß er auch hier den großen Maßstab anlegte und, also messend, fand, daß er nichts, oder so gut wie nichts in Händen hatte. „Sich ewig mit dem Ruhm und N»men trösten zu wollen, ist lächerlich. Dazu müßten denn beide doch um einige Ellen höher sein. Ich habe mich redlich angestrengt und bin so fleißig gewesen wie wenige, aber es hat nicht Glück und Segen auf meiner Arbeit geruht." An einem Aufallswort von dem „berühmten Bruder, den keiner kennt", das ihm irgendwann einmal hinterbracht worden war, hat er sich in dieser Beziehung und sehr mit Absicht erzogen. Immer
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