wieder gibt er es sich selbst in die Zähne: „Dein berühmter Bruder, den keiner kennt."
Man muß es andererseits mit allem Nachdruck betonen: Fontane gehörte wghrlich nicht zu denen, die gewillt gewesen wären, ihre Seele um dreißig Silberlinge willen zu verkaufen. Und fand sich darin von seiner Frau unterstützt, und dankte ihr's. Er hatte den Hellen Blick für den Fluch des Goldes, und immer kehrt in seiner Reisebeschreibung durch Frankreich „Aus den Tagen der Okkupation" der Abscheu vor dem Mammonismus, dem er das unglückliche Land verfallen wähnte, wieder. Ukd eben hier setzte seine Kritik an dem wirtschaftlich gehobenen, blühenden Deutschland ein. Er fand uns arm an Idealen. Er sah die Lebensansprüche gesteigert und doch das Ziel großzügiger Lebensführung nicht erreicht. Er erkannte uns auf der Station „Äußerlichkeit" steckengeblieben.
Das ist ja überhaupt das Herzgewinnende an dieser guten Persönlichkeit: der allzeit ungetrübte Blick. Ging es ihm in wirtschaftlicher Hinsicht armselig genug, so schrieb er dennoch: „Eine richtige Sparsamkeit vergißt nie, daß nicht immer gespart werden kann; wer immer sparen will, der ist verloren, auch moralisch."
In dem Kampf um den Lebensstil ist Fontane Resignation Führerin geworden. Daß sie ein Glück und beinahe eine Tugend, das hat er nie verkannt.
Aber die Resignation war ihm schwer gemacht, weil er sich da nichts vormachen konnte, und es ihn allzu augenfällig dünkte, daß zwischen Menschenglück und Putenbraten recht enge Beziehungen bestehen, und eine Flasche Markobrunner eine zwar kostspielige, aber heilkräftige Arznei wider allerlei Lebensunbilden ist. Es war ein weiter Weg, weiter für ihn, seiner ganzen Naturanlage nach, als für andere, bis zu der ihm vom Leben recht erpresserisch beigebrachten Erkenntnis: „Gott, was ist Glück! Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen — das ist
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