im Detail natürlich alles arm und dürftig. In Lohme war ich einen ganzen Tag lang mit Balduin Möllhausen *) und Frau zusammen. Nach diesem Abstecher noch anderthalb Tage in Saßnitz verblieben, dann in fünfstündiger Abend- und Nachtfahrt über Jagdschloß Prora nach Putbus, wo ich nach Mitternacht eintraf und im „Fürstenhof" unfreundlich aber gut untergebracht wurde. Den andern Vormittag (Sonntag) in Putbus, sehr hübsch, über Mittag nach Bergen zurück und um 4 direkte Rückfahrt nach Stralsund und Berlin, wo ich gegen Mitternacht eintraf. Die ganze Reise hatte nur 7 Tage gedauert und mich sehr befriedigt, trotzdem ich, mit Ausnahme der Begegnung mit Möllhausens, nichts persönlich Angenehmes erlebt hatte. Volk, das einen schröpft, fast schlimmer wie auf Norderney.
Am 23. September kam Emilie aus Neuhof zurück. Friedel hat seine Lehrzeit bei Langenscheidt 2) beendet und verläßt Berlin, um zunächst einen Besuch in Dobbertin und Rostock zu machen und dann in Jena in das Frommannsche Sortimentsgeschäft einzutreten. Martha nimmt eine Stellung in Fräulein Leydes höherer Mädchenschule an und wird Lehrerin in der 3. Klasse, avanciert aber schnell. Am 2. Oktober Mädchenwechsel; wir ergattern eine wundervolle alte Zierliese, die sich „männerfeind" nennt und in der dritten Person nie anders als von „Fräulein Wenzel" von sich spricht. — Der Druck meines Scherenberg-Buches beginnt, geht aber sehr langsam vonstatten. Ich beginne Mitte Oktober (um dieselbe Zeit erscheint bei F. W. Steffens in Dresden mein Roman „Graf Petöfy") meine für die „Gartenlaube" bestimmte Novelle: „Fein Gespinnst, kein Gewinnst" zu schreiben und beende sie Ende November im Brouillon 3). — Am 22. November feiern wir ein „Schillerfest"
*) Populärer Romanschriftsteller.
') Bekannte Verlagsbuchhandlung. °) „Unterm Birnbaum."
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