ich auch gerade fertig wurde. — Am 5. Dezember feierte das Königliche Schauspiel sein loojähriges Bestehen; eine Vormittagsfeier mit inhaltlosen Reden leitete den Tag ein, am Abend gab es ein Festspiel von Putlitz: „Die Unterschrift des Königs" und ein vor hundert Jahren gegebenes Lustspiel von Jünger: „Verstand und Leichtsinn". Weihnachten und Sylvester verbrachten wir in aller Stille; an meinem Geburtstage rafften wir uns zu einer „Gesellschaft" auf, die leidlich verlief.
1887.
Von: 1. Januar bis Ende Februar.
Ich begann mit Korrektur dreier kleiner Arbeiten für die „D.Jll. Zeitung": OnkelDodo, Im Coupe und Eine Frau in meinen Jahren *). Als ich mit der Korrektur fertig war, erfuhr ich, daß mein Freund Dominik von der Redaktion zurückgetreten und das Blatt selbst so gut wie verkracht sei. So müssen die kleinen Arbeiten vorläufig lagern; ich arbeitete mittlerweile an der Korrektur von „Stine". — Im K. Theater läpperte sichs so weiterhin; alles scheint aus den Fugen gehn zu wollen; Chaos und erst wenig Ansätze zu Neubildungen. Anfang Januar kam Ibsen nach Berlin und Anfang Februar die Meininger. Ibsen zu Ehren wurden im Residenz-Theater seine „Gespenster" gegeben, ein sehr interessantes, sehr meisterliches, aber doch ganz schiefgewickeltes Stück. Die Meininger debütierten glänzend mit der „Jungfrau von Orleans" und gaben sie den ganzen Februar hindurch. — Reichstagsauflösung und Neuwahlen sorgten für politische Aufregung. — Am 24. Januar waren wir zu Geburtstag und Soirée bei Lessings. Otto Lessing hatte eben in Erfahrung gebracht, daß ihn die Stadt mit Ausführung des Lessing-Denkmals betraut habe. — Sonst waren wir wenig in Gesellschaft, nur einmal bei Heydens,
*) „Von vor und nach der Reise."