99 Tagen starb Friedrich III., und alles atmete auf, als das Kranken- und Weiberregiment ein Ende nahm und der jugendliche Kaiser Wilhelni II. die Zügel in die Hand nahm. Es war hohe Zeit. Alles hat wieder die Empfindung, daß die Gewohnheitspferde nicht bloß so weiter trotten und instinktmäßig den Abgrund vermeiden, sondern daß ein „Dirigent" da ist, der nicht alles bloß dem Aufall überläßt.
Ich war all die Aeit über fleißig und brachte früher geschriebene Sachen in Ordnung: „Wohin?" *), „Im Coupé" *), „Der Karrenschieber von Grisselsbrunn" ^), „Der letzte Laborant" *), „Plaue a. H." und „Stine" (welche Novelle ich nochmals durchkorrigierte). W. Hertz zeigte mir an, daß von den „Wanderungen", Band II und III, eine neue Auflage erscheinen würde; zugleich nahm er eine Fortsetzung der „Wanderungen" unter dem Titel „Fünf Schlösser; Altes und Neues aus Mark Brandenburg" in Verlag. Ich machte mich nun an die Zusammenstellung des Materials und gab namentlich dem großen Schlußabschnitt: „Dreilinden" noch die nötige Abrundung. Au diesem Zwecke mußte ich das große Werk von H. Brugsch und Major von Garnier durchlesen, das die Reise des Prinzen Friedrich Karl im Orient behandelt. — Anfang Juni war ich bei Lessings in Meseberg. Wie hatte mich das alles mal entzückt; nun war es mir gleichgültig. Alles hat seine Zeit. Ein Glück, daß mir die Arbeitslust noch nicht geschwunden ist; dann wär alles perdu. — Mitte Juni starb mein lieber alter Freund Scherz auf Krentzlin, dem ich (und namentlich Theo) so viel verdanke. Am 4. Juli starb Storni in Hade- marschen und am selben Tage oder tags drauf Alexander Gentzb) in Stralsund. Mit allen dreien bin ich ein gut Stück Wegs gewandert, und jeder war in seiner Art hervorragend:
*) Aus: „Von vor und nach der Reise."
-) Vgl. S. 93.
') Vgl. das Kapitel „Genhrode" in den „Wanderungen".
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