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Das Fontane-Buch : Beiträge zu seiner Charakteristik ; Unveröffentlichtes aus seinem Nachlaß ; das Tagebuch aus seinen letzten Lebensjahren / hrsg. von Ernst Heilborn
Entstehung
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zu denken. Ich lief umher und besuchte ein paarmal die Ausstellung; am meisten interessierte mich derBrand von Rom" (großes Panorama) und dir Künstler-Osteria. Dr. Friedjung *) wurde durch Paul Schlenther bei mir eingeführt, und ich nahm Veranlassung, den jungen Wiener Historiker mit General von Zychlinski bekannt zu machen. Am 8. September hatten wir einen hüb­schen Plauderabend mit Zöllners; vorher Besuch von Dr. Robert Hessen, der anderthalb Jahr drüben in New York war.

j r Etwa im Oktober oder etwas später etablierte sich Friede!. Firma: Friedrich Fontane, der ^unge dicke Lewy als kapitaleinzahlender Associé. Die Sache beginnt ganz gut, gutes Weihnachtsgeschäft und sogar Verlagsartikel. Ich beginne mit der Korrektur meines für dieGartenlaube" bestimmten RomanesQuitt", mit welcher Korrektur ich um Neujahr halb zu Ende bin. Mitte November erhalten wir Besuch von Schwiegertochter und Enkel aus Münster; Otto ein allerliebster kleiner Junge von gutem Charakter. Um Weihnachten kommt auch Theo und bleibt etwa 12 Tage. Mitte Oktober erscheint auch mein neues märkisches Buch Fünf Schlösser" und findet gute Aufnahme. Im Theater nichts von Bedeutung, mit Ausnahme der Wildenbruchschen Quitzows", die etwa Anfang November (oder auch schon Ende Oktober) erscheinen, mich erobern und desgleichen das Publikum, so daß es Saisonstück wird und einen Beifall findet, wie sonst nur Lustspiele bei Wallner, die 150mal gegeben werden. Im übrigen verläuft das Leben im alten Geleise; wenig Gesellschaftlichkeit und auch wenig ge­lesen, weil das Interesse daran immer mehr einschläft. Po­litische Fragen drängen sich in den Vordergrund: die Kaiser­besuche durch ganz Europa hin, der ungewöhnliche Empfang

*) Heinrich Friedjung, der hervorragende österreichische Historiker und Publizist.

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