niemand trafen, mit dem wir hätten verkehren können. — Im August gingen wir auf vier Wochen nach Waren am Müritzsee, wo wir, der ganze Hausstand, sehr angenehme Tage verlebten. Mitte September waren wir wieder zurück. Anfang November erschienen die Poggenpuhls; Schlenther, in gewohnter Freundlichkeit, begrüßte sie mit schmeichelhaften Worten. So kommt Silvester heran, und still traten wir in das neue Jahr ein.
1897.
Von Neujahr an bis Ende Mai beschäftigt mich mein Roman „Der Stechlin"; ich schreibe noch einige Kapitel, vor allem nimmt mich die Überarbeitung ganz in Anspruch.
In den ersten Frühjahrswochen erkrankt Freund Heyden ernstlich (Nierenleiden, Brightsche Krankheit); Anfang Juni (i.) stirbt er, und wir begraben ihn auf dem Matthäikirchhof, wo schon so viele von uns ruhn. Wenige Tage danach reisen wir, Emilie, Martha, ich, in die Sommerfrische, nicht gern oder wenigstens in Unruhe, weil wir uns bewußt sind, daß Freund Zöllners Tod, nach mehr als sechsjährigem unausgesetzten Leiden, nahe bevorsteht. So kommt es denn auch. Kaum aus Berlin fort, muß Martha (ich selbst war zu sehr herunter) wieder zurück, um bei Zöllners Begräbnis die Familie zu vertreten. Innerhalb weniger Tage der Tod zweier Freunde.
Unsere Sommerfrische war wieder Mecklenburg, aber statt Waren am Müritzsee hatten wir diesmal Neu-Branden- burg am Tollense-See gewählt. Wir wohnten in dem eine Viertelmeile vor der Stadt gelegenen Augustabad, halb Hotel, halb Sanatorium, und verbrachten daselbst vier oder fünf sehr angenehme Wochen. Über nichts war Klage zu führen, einzig und allein die Mücken abgerechnet, die den Aufenthalt im Freien oft lästig machten. Zu den Annehmlichkeiten gehörte, daß Martha in Neu-Brandenburg selbst eine alte Bekanntschaft erneuerte, und zwar mit einen:
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