natürlich ein großer Unterschied zwischen den gutgläubigen und den bösgläubigen Assimilanten gemacht werden. Gegen Juden, die wirklich seelisch im Deutschtum aufgegangen waren und deren Judentum buchstäblich nur darin bestand, daß sie eben — keine Christen waren, gegen diese Melden, die es hie und da auch geben soll, darf natürlich nichts gesagt werden. Das sind tatsächlich keine Juden mehr, sondern ungetanste Deutsche. Um so schärfere Zurechtweisung verdient aber das bösgläubige Assimilantentum solcher Juden, die mit ihrer These von der „israelitischen Religionsgemeinschaft" lediglich einen frommen Wunsch zum Ausdruck brachten, sich vorbedachtermaßen ein deutsch-völkisches Löwenfell um die Glieder schlugen und nichts lebhafter bedauerten, als daß ihre jüdische Nase allenthalben hervorlugte. Jede Assimilation, die sich bewußt vollzieht, beruht auf mangelnder Selbstachtung und ist verächtlich. Sie beruht aber auch auf mangelnder Kulturersahrung und ist geradezu dumm. Der kulturelle Assimilationsprozeß ist, gleich dem leiblichen, durchaus unserem Willen entzogen. An uns liegt nur die kulturelle Nahrungsaufnahme. Aber was davon sich unserem Wesen verbindet und zum Auf- und Fortbau der Persönlichkeit mitwirkt, hängt nicht mehr von uns ab.
Die westlichen Juden haben das vorlaute Treiben ihrer Assimilanten lange nicht ohne Schmunzeln geduldet. Es war so bequem, die eifrigen Herren gegen die Antisemiten ins Vordertreffen zu schicken und die ärgsten Stöße von ihnen abfangen zu lassen. Schließlich kam es ja auch den Antisemiten gegenüber nicht darauf an, ob die Musterkollektion von Juden, die man ihnen entgegenhielt, besonders sorgfältig ausgewählt war oder nicht. Man fühlte sich ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet.-
Wie das aber mit derartigen fables convenues oft zu geschehen pflegt, vergaß man schließlich in vielen jüdischen Kreisen, daß es doch eigentlich eben nur eine Fabel war. die man sich aus Zweckmäßigkeitsgründen hatte gefallen lasten. Die Fabel bekam Macht und Gewalt und verwirrte die Natürlichkeit des Gefühls. Man gewöhnte sich mehr und mehr daran, jüdische Verhältnisse und jüdische Dinge nicht in ihrer Sachlichkeit, sondern unter steter Berücksichtigung