überall auch p olitisch anzuerkennen und die Versöhnung der Völker durch das ganz auf dem Wirken der Geschichte be- ruhende Nationalitätenprinzip herbeizuführen.
Wie einst die große Revolution den Juden des Westens, so öffnet jetzt der Weltkrieg den Juden des Ostens die Tore ihres Ghettos.
Die Schicksalsstunde der jüdischen Nation hat geschlagen. Ihren westlichen, an Zahl weitaus geringeren Flügel hat ihr die große Revolution fast ganz entrissen.
Wird der Weltkrieg nun auch ihren Kern antasten?
Den Verlust ihres westlichen Flügels kann sie vielleicht verschmerzen. Mit dem östlichen Flügel steht sie, und fällt sie.
Noch sind die Juden des Ostens in der Struktur der Maste Nationaljuden gemäß dem hier geschilderten geschichtlichen Sinne des Wortes. Die Kultur des jüdischen Nationalgesetzes ist bei ihnen lebendig wie nirgends sonst noch auf Erden. Dem Druck des Zarismus hat sie widerstanden. Wird sie im neuen Rußland dem weit schlimmeren Ansturm der fremden Kultur, dem Ansturm der zionistischen Propaganda, die sich mit der fremden Kultur verbindet, widerstehen?
Eine ungeheure Verantwortung ruht auf den Schultern des Zionismus. Die jüdische Nation des Ostens ist nicht gewohnt, mit Staatsmännern zu verhandeln. Die Staatsmänner aber sind geneigt, die Wünsche der jüdischen Nation aus dem Munde des Zionismus zu vernehmen.
Ist der Gedanke zu vermessen, daß der Weltfriedenskongreß, der allen Nationen nach Möglichkeit Befreiung bringen soll,, dig jüdische Nation unter Zustimmung der Türkei und ihrer Oberhoheit ins Land der Väter zurückführt?
Die Kultur der jüdischen Nation schreit nach eigenem Recht in eigenem Land. Das jüdische Nationalgesetz, die Mutter der jüdischen Kultur, kann in der Fremde nur zum Teil verwirklicht werden, und autochthone Kulturen sind auf die Dauer stärker als erd entwurzelte, Hat die jüdische Nation durch ihren zweitausendjährigen Meidensgang inmitten und trotz der Nationen nicht ein Recht aufs Dasein erworben? Verdient die geschichtliche Eigenart ihrer Kultur, deren Schwinden ein Ärmerwerden der
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