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Geschichte der Stadt Potsdam / unter Mitwirkung von ... hrsg. von Julius Haeckel
Entstehung
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vorschlägen muß. Zu den richterlichen Stellen sollen nur Juristen (Uttersti) genommen werden.

Erhielt auch die Neustadt nicht, wie die neuen Stadtteile in Berlin, ein besonderes Gericht, so wurde die Justiz doch noch lange nicht einheitlich. Außer den Militärgerichten und dem Kammergericht (für die Eximirten) hatten einzelne Institute in vielen Beziehungen ihre besonderen Gerichte, wie das Militär-Waisenhaus und die Gewehrfabrik, denen später die französische Kolonie, das Hofbauamt, die Hofgarten-Intendantur folgten. Dazu kam die Justiz des Domänenamts über die Teltower Vorstadt und die zahlreichen Amtsgrund­stücke in den übrigen Vorstädten.

Das Jahr 1722 hätte von unberechenbarer Trag­weite für Potsdam werden können, wenn der Plan, die obersten Behörden mit dem Fürsten Leopold von Dessau (der ein ebenso tüchtiger Volkswirt wie Soldat war) an der Spitze, nach Potsdam zu verlegen, aus- geführt worden wäre. Aber das neue Generaldirektorium blieb mit den andern Kollegien auf Grumbkows Be­treiben in Berlin, dessen Bewohner schon lamentierten.

Das neue Potsdam erhielt bessere Verkehrs­bedingungen. Die alte Straße nach Spandau umging als Behlertstraße den Sumpf des Widams. Der Nauensche Damm durch den Faulen See gestattete 1722 eine neue Leerstraße im Zuge der Hohenwegstraße durch das Nauensche Tor (Ecke Nauener- und Charlottenstraße) und den Fasanengarten auf Nedlitz zu. And 1724 wurde Potsdam in den großen Postkurs einbezogen, der früher von Berlin über Saarmund, jetzt über Potsdam, nach Beelitz und Leipzig ging. Meilensteine zwischen Berlin und Potsdam wurden gebaut.