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Geschichte der Stadt Potsdam / unter Mitwirkung von ... hrsg. von Julius Haeckel
Entstehung
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die im Gegensatz zu den Kleinfischern (Kleintauern) in Burgstraße und Kietz die Großfischerei betrieben und zu den Ratsverwandten der Stadt gehörten. Ackerschaft hatte es in den vom Amt eingeschnürten Vorstädten schon vorher wenig gegeben und nach der Vergrößerung der bebauten Stadtfläche noch weniger, weil die Gärten aus der Stadt in daskommune Stadt-Terrain" vor der Stadt verlegt werden mußten. Teils mußte die Stadt ihr Terrain auf Befehl des Königs und seines Nach­folgers hergeben, teils duldete sie, daß jeder Bürger sich aneignete, was er wollte. Teils verkaufte sie zu Eigen­tum, teils gab sie Grundstücke (z. B. die Ratsziegelei und die Ratsmeierei) in Erbpacht. Durch ein Gesetz im Jahre 1851 wurde die Erbpacht in Eigentum um­gewandelt. So verlor auch die Stadt Potsdam ihren Grundbesitz.

Landwerk und Fabriken (Manufakturen) beherrschten jetzt die Stadt. Manufakturen wurden von dem jungen König eifrig gepflegt, nachdem er die Kommerzien, den überseeischen Hande!, aufgegeben, die westafrikanischen Kolonien und die Flotte verkauft. An Stelle der Marine­kasse, in welche die Bewerber um öffentliche Ämter be­stimmte Summen zahlen mußten, trat die berüchtigte Rekrutenkasse zur Anwerbung der langen Grenadiere, die bis zu 8000 Talern kosteten. Mit der Flotte war auch ihr Abglanz, das höfische Prunkschiff, vom Neptuns- teich am Potsdamer Schloß verschwunden. Der soldaten­frohe König hatte es 1716 seinem Gaste, dem Zaren Peter dem Großen, verehrt, der ihm dafür regelmäßig eine Anzahl von jährlich 150 langen Grenadieren liefern sollte. Lange Moskowiter hatte der König schon von Anfang an unter den Krongrenadieren gehabt; jetzt kamen