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Baugrundes wieder abgebrochen und 1731 neu gebaut werden. Der wuchtige Turm nach Gerlachs Plänen mit dem Glockenspiel nach holländischer Art wurde 1735 vollendet. Als dritter malerischer Kirchtum in einer Linie mit den beiden andern fügte sich der schlanke Turm der 1724 erneuerten Stadtkirche (früher St. Katharinen, jetzt St. Nikolai) ein. Wie zum Rathaus war auch hier, wie damals üblich, bei den Kirchen der Monarchie eine Zwangskollekte bis zu 2 Prozent ihres Kirchenkapitals veranstaltet worden, aber auch mit unzureichendem Erfolg, so daß der König wohl das Meiste geben mußte.
Bedeutsam ist, daß der König die beiden neuen Kirchen gleich als Simultankirchen mit je einer lutherischen und reformierten Pfarrerstelle stiftete. Die Reformierten der Neustadt und der Gewehrfabrik gehörten zur Garnisonkirche, die übrigen zur Heiligen Geistkirche.
Der „starke Bau" kam unter Friedrich Wilhelm I. nie ganz ins Stocken. Teils schenkte der König fertige Häuser an Kolonisten und Grenadiere, teils schenkte er die Baumaterialien und einen Teil des Baugeldes (4 oder 8°/g des taxierten Baues) als sog. Baufreiheitsgelder; oder er gab statt der Baumaterialien Vorschüsse, die später geschenkt wurden. Er ermunterte seine Beamten und Offiziere zum Bau, wobei mancher sein Vermögen zusetzte und die Erlaubnis zur Veräußerung im Wege der Lotterie nachsuchte (1749 zum letzten Mal der Witwe des Kriegsrats v. Katsch erlaubt, weil der inzwischen eingeführten Staatslotterie nicht Abbruch getan werden sollte). Am Kanal baute sich nördlich der Etatsminister Boden an und südlich der Kabinetsrat Schumacher (dessen Neffe Betche, der Großvater von August Friedrich Eisenhart