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(s. S. 139) ward). Nach ihnen wurden die Kanalseiten: Bodensgraft und Schumachersgrft benannt. Aber auch Leute, die von dem König etwas erreichen wollten, bauten ein Haus auf eigene Kosten, wie sie Grenadiere schenkten oder zur Rekrutenkasse beisteuerten. So z. B. der Hof- buchdrucker Rüdiger, zu dessen Erlangung eines Buchdrucker- und Buchführer-Privilegiums für Berlin und Potsdam nicht wenig beitrug, daß er in Potsdam ein Haus baute.
Als besondere Gunst verlieh der König vielen Häusern nutzbare Gerechtigkeiten, besonders die Braugerechtigkeit, und zwar nicht nur an gewerbetreibende Bürger, sondern auch an hohe Beamte und Offiziere, die in großer Zahl Hausbesitzer und damit Bürger der Stadt wurden. Vielleicht am reichsten wurde der Kapitän von Einsiedel vom Leibbataillon ausgestattet, nämlich mit Brauerei, Branntweinbrennerei, sowie den Gerechtigkeiten zu Gastwirtschaft, fremdem Bierschank, Weinschank, Material- und Italiener-Handlung und Apotheke. (Noch heute erinnert an den privilegierten Offizier das seit 150 Jahren in diesem Hause betriebene Hotel zum Einsiedler).
Die Braunahrung war ein wichtiger und angesehener Nahrungszweig zu jener Zeit, in der die Braunbiersuppe den Kaffee vertrat. Außer für den Hausbedarf wurde für den Verkauf gebraut. Zwölf Dörfer der Umgegend mußten ihre Krugwirtschast mit Bier der Potsdamer Brauer- schaft versehen. Größere Brauereien gab es noch nicht. Erst 1728, als ihm das Potsdamer Biergesöff zu dünn, sauer und ungesund für seine Grenadiere erschien, legte der König in der späteren Leipziger (damaligen Brau- haus-)Straße die Königsbrauerei an, die im Bunde mit der später stark vergrößerten Bornstedter Amtsbrauerei