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den Potsdamer Brauern empfindlich Konkurrenz machte. Trotzdem wurden die Potsdamer Brauhäuser stark vermehrt; von 1720—38 allein um 75. Um 1770 gab es im Ganzen etwa 150 Brauereigerechtigkeiten und Brennereien in Potsdam.
Übrigens wurde viel fremdes Bier daneben getrunken: Bernauer, Krossener, Broihahn, Duckstein.
Auch bildete der aus Potsdams Weinbergen gewonnene Wein bis Ende des Jahrhunderts in steigendem Maße das Getränk und sogar einen namhaften Handelsartikel der Potsdamer. Außer den Königlichen Weinbergen gab es bürgerliche am heiligen See und Jungfern- see. Es wurde auch Franzwein (Südwein), Rotwein, Mosler und Rheinwein getrunken, aber diesen Handel hatte nur der Kellermeister Heßert als Privilegium.
Branntwein durfte für den Hausbedarf gebrannt werden, aber zu Friedrich Wilhelms I. Zeiten in Potsdam bei drakonischen Strafen weder ausgeschenkt noch gehandelt werden, weil der König Excesse der Grenadiere befürchtete. Nur den an Branntwein gewöhnten Lüttiche r Arbeitern der GewehrfabrU durfte welcher gegen Barzahlung verkauft werden.
Von großer Wichtigkeit wurde für Potsdam die Französische Kolonie. Einzelne Refugierte waren schon mit dem Lose des Großen Kurfürsten nach Potsdam gekommen und hatten in der reformierten Schloßkapelle ihren Gottesdienst. Erst die Stadterweiterung von 1719—22 gab Raum für eine größere Ansiedelung. 1723 wurde der französischen Kolonie ein französisches Quartier gebaut und die Schloßkapelle überlassen, auch ein eigener Prediger berufen.