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Organisiert wurde die Kolonie jedoch erst 1731 durch das Läit clu roi, das den französischen Redigierten und den ihrer Religion wegen ausgewanderten Pfälzern, Schweizern, Holländern und Niederländern, wenn sie sich der französischen Jurisdiktion anschlossen, eine besondere Verfassung gab. Mit eigenem Gerichtsmagistrat, bis 1751 auch eigener Polizei, mit eigener Kirche sowie mit vielen Begünstigungen und Vorrechten bildete die französische Kolonie ein eigenes politisches und kirchliches Gemeinwesen innerhalb der deutschen Stadt.
Nicht jeder Ausländer durfte sich niederlassen, sondern nur tüchtige Manufakturisten oder vermögende Leute. Sie erhielten meist Häuser vom König geschenkt. Die Manufakturisten gehörten meist der feineren Textilindustrie, der Sammet- und Seidenweberei an, deren Einführung der König förderte.
Anker den Industrien damaliger Zeit nahm die Textilindustrie den ersten Rang ein, wie heute die Eisenindustrie. Stk^ivar die führende Industrie, und ihr vornehmster Zweig die Seiden-Industrie. Schon Friedrich Wilhelm I. begann den Seidenbau und die Anpflanzung von Maulbeerbäumen bei Potsdam und gab dem Schutzjuden Hirsch David 1730 ein Privileg für eine Sammetfabrik. Baumwolle verbot Friedrich Wilhelm I. ganz, zum Schutze der heimischen Wolle (1721). Wollmanufakturen gab es mehrere in Potsdam, darunter vier Bandmühlen, die sämtliche Haarbänder für die Zöpfe des ganzen Heeres zu liefern hatten. Tuchfabriken waren an der Herstellung von Militärtuch stark beteiligt. Tuchmacher aus Polnisch Lissa und Schlesien waren 1732—33 angesiedelt, ein Woll- magazin angelegt worden. Vor dem Jägertor war der Tuchrahm-Platz. So war ein Teil der Potsdamer