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Geschichte der Stadt Potsdam / unter Mitwirkung von ... hrsg. von Julius Haeckel
Entstehung
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Industrie, wie auch die Gewehrfabrik und die Strümpfe- strickerei im Waisenhaus, Militär-Industrie. Dagegen blieb die Verwendung von Soldaten als Industriearbeiter noch auf das Waisenhaus beschränkt und auch nur in mäßigen Grenzen. Des Königs liebe blaue Kinder, die langen Grenadiere, durften keine Arbeit tun; ja, sie waren zum Teil bequeme Herren, die sich das Gewehr zur Parade tragen ließen.

Mochte es die schaffensfreudige Baulust des Königs sein oder seine Absicht, das ganze Leibregiment nach Potsdam zu verlegen: er erweiterte noch einmal das Kleid der Stadt; es war ihr zu eng geworden, weil jenseit der Mauer schon zahlreiche (172333: 154) Lauser und ganze Straßen gebaut waren. Die im Jahre 1732 gefaßten Erweiterungspläne der Neustadt die der tätige König mehrere Tage lang selbst mit absteckte, wobei er den Grundstein zur neuen Stadtmauer legte, kamen in den nächsten Jahren zur Ausführung. Die Ansätze der nach Norden gerichteten Straßen sollten ver­längert, Querstraßen dazu angelegt, ein Teil des sumpfigen Widam" nordöstlich vom Faulen See bis auf ein Bassin in der Mitte trocken gelegt werden. Die erste Stadtmauer fiel 1735, nachdem die neue die Stadt gegen Desertion und Accisefraude gesichert. Die neue Stadt­mauer wurde 1733 begonnen und mit neuen Toren ver­sehen, nur das Berliner Tor wurde nicht erneuert, weil hier eine letzte Stadterweiterung geplant war. Im Norden reichte der neue Stadtrahmen bis an das Gelände des Jägerhofes (Fasanerie). Die Mauer ist im Straßenzuge der jetzigen Hohenzollern-, Kaiser Wilhelm-, Kurfürsten- und Moltkestraße zu suchen. Das Brandenburger-, Jäger und Nauener Tor bezeichnen die Richtung. Diese