68
Kommandantenhaus (großes holländisches Haus) in der Lindenstraße 54 (jetzt Amtsgericht). Das holländische Bassin war ein in dem trocken gelegten Sumpf des Widam 1737 ausgegrabenes, längliches Bassin mit geschweiften, gemauerten Rändern, von einer Plantage umgeben und mit dem Heiligen See durch einen Zuflußgraben, mit dem Stadtkanal durch einen unterirdischen Abzugsgraben verbunden. Der Durchstich des Hafengrabens vom Jungfernsee zum Heiligen See sollte für frischen Havel- durchfluß sorgen, konnte aber bei dem geringen Gefälle das höchst lästige Stagnieren des Bassins nicht verhindern. Das holländische Viertel macht heute lange nicht mehr den ansprechenden und lebhaften Eindruck wie früher. Statt der mit Ölfarbe rot überkleisterten nüchternen Fronten hat man sich die Häuser in kräftigen, rohen Ziegeln mit weißen Fugen, mit lustigen Wetterfähnchen auf den Schornsteinen, mit reichlichem, weiß gestrichenen Holzwerk um Türen und Fenstern, mit freundlichen Vorgärten und weißen Staketen, mit symmetrisch verteilten Häusern in reicherer Verzierung, mit malerisch abgetreppten Giebeln und unterbrechenden Feuergassen je vor dem letzten Hause, zu denken.
Man hat das holländische Viertel gern für das eigentliche Grenadierviertel Friedrich Wilhelms I. angesprochen, wohl weil dort am längsten Soldaten in Bürgerquartieren gelegen haben (bis 1878). In Wahrheit werden bei Lebzeiten des Soldatenkönigs nur wenige Grenadiere dort in Quartier gelegen haben. Denn die dort angesiedelten Holländer waren für sich und ihre Nachkommen frei von der Einquartierung. Und gerade diese wohnten in dem schon 1740 vollendeten Teil des Viertels. Dagegen scheinen später viele Häuser des