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Geschichte der Stadt Potsdam / unter Mitwirkung von ... hrsg. von Julius Haeckel
Entstehung
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nicht erneuert. Die Gewerbe- und Nebenbetriebe wurden abgeschafft, die Lautboistenschule geschloffen. Der Etat wurde auf 600 Kinder in der Anstalt beschränkt, für deren gesunde Unterbringung jetzt die Räume ausreichten. Mehr körperliche Bewegung und Rückkehr zu besserem Schulunterricht waren die Ziele der von dem wackeren Feldpropst Kletschke angestrebten Reformen und der Aus­gangspunkt einer neuen, besseren Zeit für diese noch heute bedeutungsvolle Anstalt. Am deren Mitaufsicht hatte der General von Rodich große Verdienste, ein Mann, der von der dankbaren Stadt als mannigfacher Wohl­täter durch ein Marmor-Gedenkbild im Rathaus geehrt wurde. Als Oberaufseher des Stadt-Armenhauses, Schöpfer des Leihhauses (Lombard) im Waisenhaus und besonders bei der Neuregelung der Einquartierung wurde er durch verständnisvoll vermittelnde Tätigkeit den Interessen der Zivilbevölkerung gerecht. Das Pagen-Institut und das Offiziertöchter-Institut erfreuten sich seiner Leitung und Fürsorge.

Potsdam behielt seinen namhaften Anteil an der märkischen Industrie, nur noch stärker verschoben zu­gunsten der Textilindustrien. Tuchfabrikation und Seidenindustrie blieben in Aufwärtsbewegung; wurden aber zusammen von der Baumwolle erreicht, die eine immer größere Bedeutung erlangt (1795 hat Potsdam Webstühle: 252 für Seide, 97 für Wolle, 91 für Leinen und 350 für Baumwolle. Doch fallen 2/3 der Stühle in Leinen und Baumwolle auf die Weberkolonie Nowawes). Großen Umfang gewann die Fabrikation von englischem Leder (durch Gebr. Wallis aus England eingeführt) und englischer Sättel. Daneben bestanden teils ältere, teils neuere Manufakturen in Bleistiften, Elfenbein,