hatte, (als König baute Friedrich Wilhelm II. dort das Marmorpalais), erhält 1792 Häuser und Vorschüsse zum Betriebe einer großen Fabrik in der Friedrichstraße und am Kanal (Nr. 12). Diese Fabrik überdauerte den Zusammenbruch von 1806, weil sie reichliche Lieferungen für Militärtuch bekam. Tamm hatte sich das Anwesen des Landjägers Schiedemann am Ende der alten Königstraße (seit 1907 bebaut) zu einem Herrensitz umgebaut, den er 1798 seiner Tochter, der Kommerzienrätin Hesse vererbte, während sein Sohn, der Kanonikus Tamm, sich den Landsitz Templin (vor Caputh) kaufte.
Wegen der bedeutenden Spanischen Tuchfabrik und der Zunahme der Seidenfabrikation wurde 1793 in Potsdam ein besonderes Fabrikengericht innerhalb des Magistrats gebildet mit beschleunigtem und vereinfachtem Verfahren in Streitigkeiten zwischen Fabrikanten und ouvriers (Vorläufer der heutigen Gewerbegerichtsbarkeit.)
Neben allen diesen Erscheinungen einer weiteren Aufwärtsbewegung der Stadt werden aber Klagen über bedenklichen Rückgang des bürgerlichen Wohlstandes laut. Der Wohlstand war, wie das gewerbliche Leben Potsdams überhaupt, nicht auf natürlichen Grundlagen allmählich erwachsen, sondern an die fieberhafte Bautätig- keit und das merkantilistische System des großen Königs geknüpft. Der Wohlstand hatte in den 1770er Jahren seinen Höhepunkt gehabt. Die aufstrebende Zeit nach dem siebenjährigen Kriege war für Potsdam die Zeit der höchsten Blüte gewesen. Der Nachfolger des großen Königs baut zwar auch noch, aber der systematische Ausbau der Straßenzüge fällt fort. Hier und da größere Bauten, wie das Marmorpalais, das Haus für den Kämmerer Rietz und seine Frau, die Maitresse des Königs,