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einem geistvoll konstruierten Sockel in die Höhe strebt. Diese Halle, gewissermaßen der Tempel der Menschenliebe, trägt auf ihrer Kuppel die Statue der Caritas, die das flammende Herz hochhält. Wie eine Vorübung zu den späteren Gendarmentürmen in Berlin mutet diese Schöpfung an, man könnte sie aber als die originellere Leistung jenen gegenüber ansprechen; denn die Berliner Gebäude haben einen etwas kulissenhaften Charakter und erinnern im Aufriß an Vanbrughs Doppeltürme des Greenwicher Hospitals. — Auch andere Häuser verdanken wir der Hand Gontards, bevor er 1779 Potsdam verließ, um nach Berlin zu gehen. Hierher möchte ich die 1771 geschaffene, ganz eigene barocke Straßenkreuzung, die acht Ecken, rechnen, sowie die Häuser Ecke der Linden- und Bäckerstraße. Konflikte mit dem König waren ihm nicht erspart geblieben. 1774 saß er auf seinem Landhause, dem späteren Charlottenhof, 43 Tage lang gefangen wegen einer geringfügigen Überschreitung der Rechnungen für das Neue Palais. — Ungers Tätigkeit, — 1781 siedelte er nach der Hauptstadt über — läßt sich von 1770—85 nachweisen. Sein Palladianismus zeigt sich an dem Eingangsportal zum Langen Stall, seine Pilasterarchitektur Breitestraße 10, Kaiser- straße 1/2, und in Verbindung mit einem Attikageschoß an der Montierungskammer (Ecke der Plantage und des Kanals) und der alten Post (Nauenerstraße 34 a). An den letzteren Häusern ist kraftvolles Aufwärtsstreben die Signatur. Rustika schmuckhafter Art tragen Kaiserstraße 3/4, das alte Gardelazarett in der Lindenstraße (schräg gegenüber der Königswache), die Gewehrfabrik am Kanal zwischen Priesterstraße und Wall. — Eine Fülle neuer Bauten, vornehmlich zweistöckige Bürgerhäuser, er-