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als Stimmungswert empfand. 1819 erhob sich auf der Anhöhe Nikolskoe ein russisches Blockhaus, 1826 gruppierte sich unterhalb des Pfingstberges eine ganze Kolonie gleicher Art um eine Weganlage in der Form des Andreaskreuzes. 1829 wurde eine russische Kapelle geweiht. Sie trägt die üblichen fünf Zwiebelkuppeln der byzan- tinisch-moskowitischen Gotteshäuser, ist aber ihrem Grundrisse nach ein einfacher quadratischer Saalbau. Nur äußerlich ist diese Kuppelform in Anwendung gebracht am ragenden Turm der Peter-Paulskirche zu Nikolskoe (1835—37). Hier ist das Kirchenschiff eine schlichte Backsteinbasilika in Form eines oblongen Saales.
Die neuen Schöpfungen bedurften der Abrundung, des Zusammenschlusses. Die Elemente für eine einheitliche Durchbildung der gesamten Stadt und Landschaft waren gegeben. Sie warteten eines Meisters.
Die Zeit König Friedrich Wilhelms IV. wird vielfach als epigonenhaft gekennzeichnet. Sie mag das in manchem Betracht auch sein. Sie ist aber in anderer Hinsicht wieder eine Zeit des Abschlusses und Ausbaus. Es werden die Konsequenzen der künstlerischen Entwicklung Potsdams von einem wahrhaft fein empfindenden Manne gezogen. Friedrich Wilhelm war Romantiker, — selbst sein Klassizismus hat eine stark romantische Färbung. Die Romantik ging aus eine neue Erfassung der Welt aus. Sie wollte in ihrer Kunst das gesamte Kulturerbe der abendländischen Völker ertragreich machen. Sie ist daher gesättigt mit Kultur. Und hohe Kultur liegt in der Persönlichkeit des Königs, in ihm waren alle Anregungen der Zeitströmung lebendig. Er war selbst eine Künstlernatur. So machte er alles, was er aus Kunst und Wissenschaft gewann, zu einem