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Geschichte der Stadt Potsdam / unter Mitwirkung von ... hrsg. von Julius Haeckel
Entstehung
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Teile seines Wesens, so ist er erfüllt von tausendfachen Er- innerungen. Das gewinnt natürlich in den Werken, die er schuf, Ausdruck. Aber nur das seiner Natur Ge­mäße nahm er in sich auf. Daher kommt es darauf an, den Kern seines Wesens zu erfassen. In allen Schöpfungen, an denen er persönlich beteiligt war, finden wir einm ungemein feinen Sinn, der sich dem Über­mäßigen wie dem Kleinlichen fern hält, ein nur auf das Harmonische eingestelltes Empfinden. Wenn dann die Formensprache, deren er sich bedient, auch nicht etwas eigentlich Originelles hat, so liegt das in der Zeit selbst begründet. Aber mit dem Vorhandenen hat er gerade durch seine eminente Vielseitigkeit, durch sein Wirken aus dem Inneren künstlerischen Verstehens heraus, Eigen­artiges genug geleistet. Hier ist kein bloßes Nachahmen von allerhand fremden Vorbildern, sondern lebensvolle Verbindung der überkommmen Elemente für neue Zwecke, Neuschöpfung im Sinne klassischer und roman­tischer Bauweisen. Erst wenn man die Bauten seiner Zeit so auf seine Persönlichkeit zentralisiert, gewinnt man den rechten Standpunkt für ihre Würdigung, erst so kann man sie werten als reiche Nachblüte der klassischen Epoche. Dazu kommt, daß Schinkel es verstanden hatte, in seiner Größe nicht allein zu bleiben. Wie Gontard schuf er sich eine lebensfähige Schule, Stüler, Strack, Persius, Hesse, Schadow, von Arnim sind die Vertreter eines an der Renaissance orientierten Klassizismus. Sie bilden eine selbständige norddeutsche Architektengruppe, die im Aufblick zu ihrem Meister Schinkel eigene Wege ging. Ihre Bauten sind daher wertvolle Denkmäler der Kunstgeschichte, die letzten auf einer großen, innerlich einheitlichen Kunstanschauung