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fußenden Werke, bevor die allgemeine Verwirrung der Stile hereinbrach. Der König hat an allen Neugestaltungen wesentlichen Anteil. Er steht leitend und Richtung gebend an der Spitze der Unternehmungen. Selbst ein glänzender Zeichner konnte er in regem Austausch mit den Architekten seine Ansichten zu künstlerischem Ausdruck bringen. So gehen die größeren Bauten auf seine Initiative zurück, so ist ihm auch das Verdienst zuzuweisen, auf stilistische Einheit der Villenvorstädte gedrungen zu haben. Hier sollte der Geschlossenheit der Innenstadt eine ähnliche der Außengebiete an die Seite gesetzt werden. Sein eigenster Gedanke war aber, Potsdam in einen noch größeren Rahmen hineinzustellen, die ganze Insel in eine von Natur und Kunst verschönte Landschaft zu verwandeln. Damit hat er etwas ganz Originelles gegeben; denn der spezifische Unterschied, der Potsdam von allen anderen ähnlichen Städten trennt, ist die Ausschließung einer künstlerisch gestalteten Residenz an großen Wasserflächen mit einem Kranz von Parks. Die durch Kunst erhöhte Natur, die Herrschaft des künstlerischen Geistes über sie, das war der echt romantische Gedanke des Romantikers auf dem Thron. Bei diesen Bestrebungen stand ihm Joh. Peter Lenné (1816—66) zur Seite, der Ehrenbürger Potsdams, vor- nehmlich als ausführender Künstler. Ein anderer Ehrenbürger unserer Stadt, Alexander von Humboldt, wirkte als feinsinniger Kenner und wohl auch als Anreger, schreibt er doch am 21.10.49. an die städtischen Behörden: „Durch die Huld zweier edler Monarchen ist mir 22 Jahre lang die Freude geworden, mit wenigen Unterbrechungen als Ihr Mitbürger zu leben und in einer anmutig geschmückten Natur die Anregungen