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Raffael. Die Seitenfiügelbauten mit ihren Durchgängen find Vasaris Affizienhalle am Arno in Florenz entsprungen. Der Mittelvorbau ruft die Erinnerung an die Pazzikapelle von Sa. Croce in Florenz wach. Der König kehrte hier zur Frührenaissance zurück, die große Zurückhaltung in den Profilen deutet auf den Anschluß an die harmonisch-zarte Stimmung jener Epoche hin. Im Paradiesgarten setzten sich die Garten- und Architekturmotive im Impluvium und der kleinen Kaskade fort, ebenso in der Muschelgrotte des Nordischen Gartens mit ihren römisch-dorischen Säulen. Unvollendet blieb die ähnliche Anlage des Pfingstberges, die man 1845 in Angriff nahm und 1852 mit dem Belvedere vorläufig abschloß. Sie bot der Neugestaltung des Neuen Gartens unter gleichzeitigem Ausbau des Marmorpalais den künstlerischen Rückhalt. Auch hier finden wir italienische Anregungen (Villa Caprarola) verwertet. Die beiden Türme sind durch eine Bogenhalle miteinander verbunden und enthalten einen klassizistisch-grotesken, sowie einen maurischen Salon. Der mächtige Quaderunterbau umschließt einen romantischen, baumgeschmückten Innenhof mit einem Wasserreservoir für die Fontänenanlagen. Von dem Vorplätze aus sollte inmitten von Terrassen eine Kaskade zur Tiefe stürzen. (Hesse und v. Arnim.) Orangerie und Pfingstbergschloß sind für die Art des Königs ungemein bezeichnend. Es ist hier keine oberflächliche Nachahmung der fremden Vorbilder vorhanden, sondern unter Verwendung klassischer Momente eine eigenartige Neubildung entstanden, die einen freien und großen Zug auszuweisen hat. Einen einheitlichen Charakter zeigen sodann die Bauten der Fasanerie und des Wildparks. Persius verwertete bei der ersteren