läge mit seinem Speichel überzogen hat. Hermann Löns nennt ihn wegen seines reißenden Fluges „Vogel Wub“. Alljährlich verunglücken viele an den hohen Telefonleitungen. Als erster tritt er den Rückzug Anfang August an.
Die Gebirgsbachstelze, die Bewohnerin der Mittelgebirge, ist seit etwa 50 Jahren in die Tiefebene eingewandert, wo sie an der Stepnitz in der Stadt Perleberg, am Mühlengraben und auf den Rieselwiesen sowie bei Neumühle u. a. beobachtet werden kann.
Aus dem Süden ist der Girlitz bei uns seit den neunziger Jahren erschienen, der jetzt überall in den Gärten an den Stadträndern, Friedhöfen und Parks ein gern gesehener Gast ist. Er ist die kleinste Finkenart und der nächste Verwandte unseres Kanarienvogels. /
Der prächtige rotbrüstige Bluthänfling ist leider auffallenderweise selten geworden.
Die Haubenlerche war ehedem eine Bewohnerin der weiten russischen Steppen und kam erst mit den Freiheitskriegen um 1810 etwa nach Deutschland, den Rückzugsstraßen der napoleonischen Heere folgend, wo ihr selbst im tiefen Winter der Pferdedung die spärliche Nahrung bot.
Die Amsel oder Schwarzdrossel war früher eine typische Waldbewohnerin, aber seit den achtziger Jahren hat sie in Wittenberge im alten Friedhof ihren Einzug gehalten, wo sie jedoch bald durch ihre starke Vermehrung die Singdrossel und Misteldrossel verdrängte. Auch hat sie sich den neuen Verhältnissen schnell in der Weise angepaßt, daß sie ihre Bruten auch in Hauswandnischen, Mauerhöhlen und Efeuwänden großzuziehen versteht. Die Kohlmeise, die heute vorwiegend Stadtgärten, Friedhöfe und Parks bewohnt, benutzt bei mangelnden Nisthöhlen eiserne Gartenpumpen und gelegentlich Briefkästen in den Villengärten, was aber leider selten die glückliche Aufzucht der Jungen ermöglicht.
Ein besonders auffallender Waldvogel ist die Ringeltaube, die sich jetzt die baumbestandenen Straßen und Parks sowie die Friedhöfe der Städte nutzbar macht und oft nahe der Wohnungsfenster ihre beiden Jungen großzieht, so daß man bequem den Verlauf der Brut beobachten kann.
In den süddeutschen Städten, wie Frankfurt/Main und Wiesbaden, bewohnt auch die Turteltaube die Stadtparks. Dem Beispiel der beiden Vorgenannten folgt die neuerdings aus den Balkanländem und Österreich- Ungarn einwandernde Türkentaube, die man in der Färbung leicht mit einer Lachtaube verwechseln könnte und deren Erscheinen man als eine Bereicherung unserer Avifauna begrüßen kann. Sie ist jetzt schon bis Schweden vorgedrungen.
Als Gegenstück sei erwähnt, daß der wenig bekannte, die thüringischen Burgruinen und das Saaletal bewohnende Steinsperling (Passer petronia) in seinen früher großen Beständen derart zurückgegangen ist, daß man ihn jetzt leider als in Deutschland ausgestorben betrachten muß, während
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