Heft 
(1891) 66
Seite
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Unwiederbringlich.

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eine sprechen will und such' ihn in seinem Zimmer aus und sehe, daß er rechnet

oder schreibt, so nehme ich ein Buch und sehe mich ihm gegenüber und sage:

Laß Dich nicht stören, Holk, ich warte. Und dann, während ich lese oder auch räfin nur so thue, seh' ich oft über das Buch fort und freue mich über sein gutes, rklich Uebes Gesicht und möchte auf ihn zufliegen und ihm sagen: ,Bester Holk/ Sieh',

doch Julie, das kommt auch vor; aber Niemand sieht es und Niemand hört es."

Ach, Christine, daß ich das aus Deinem Munde höre, das freut mich e das mehr, als ich Dir sagen kann. Ich habe mich manchmal um Euch und Euer

Ver- Glück geängstigt. Aber wenn es so ist . .

lieberEs ist so, Julie, ganz so, mitunter mir selbst zum Trotz. Aber gerade

ie es weil es so ist, deshalb hast Du doch Unrecht mit Deinem Rathe, daß man

immer das Beste glauben und mitunter sogar die Augen schließen müsse. Das geht nicht so, wenn man wen liebt. Und dann, liebe Julie, hast Du doch auch Unrecht, oder wenigstens ein halbes, mit dem, Was Du über Holk sagst,

rhen, Er ist gut und treu, der beste Mann von der Welt, das ist richtig, aber doch

lschen auch schwach und eitel, und Kopenhagen ist nicht der Ort, einen schwachen Cha-

so ist rakter fest zu machen. Sieh', Julie, Du machst seinen Advocaten und -thust es

bloß mit aller Ueberzeugung, aber Du sprichst doch auch von Möglichkeiten, und die Per- gerade lasten mir jetzt auf der Seele . ."

gleich Die Dobschütz wollte weiter beruhigen, aber Philipp kam und übergab

, ein einen Brief, den ein Bote von Arnewiek her eben überbracht hatte. Die Gräfin Z und nahm an, daß er von ihrem Bruder sei, als sie aber die Aufschrift überflog,

erher sah sie, daß er von Schwarzkoppen kam. Und nun las sie:

Gnädigste Frau. Ich habe mich seit vorgestern eingehender mit der zwischen uns verhandelten Frage beschäftigt und bin die Reihe der Erziehungsinstitute H'au. durchgegangen, die für Axel in Betracht kommen können. Einige der besten sind

jede zu streng, nicht bloß in der Disciplin, sondern Wohl auch kirchlich, und so möchte

icher. ich denn annehmen, daß das Bunzlauer Pädagogium den zu stellenden Anfor-

veifel derungen am meisten entspricht. Ich kenne den Vorstand und würde mir die

Erlaubniß, in dieser Angelegenheit ein paar einführende Worte an denselben schreiben zu dürfen, zur Ehre schätzen. Außerdem ist Gnadenfrei verhältnißmäßig klug nah, so daß die Geschwister sich öfter sehen, auch die Sommerserienreise gemein-

rssert schaftlich machen können. Gnädigste Gräfin, in vorzüglicher Ergebenheit

Ihr Schwarzkoppen."

1 vonNun, Julie, das trifft sich gut. Ich verlasse mich in dieser Frage ganz auf

eben unseren Freund drüben, und Holk hat mir ja freie Hand gegeben. Wie gut,

2 und daß wir nun etwas Vorhaben. Heute noch schreiben wir auf, was jedes der

r die Kinder braucht, es wird eine Welt von Sachen sein. Und dann kommt die

, der Reise, und Du mußt uns natürlich begleiten. Ich freue mich von ganzem

von Herzen, und Du wirst es auch, mein geliebtes Gnadensrei wiederzusehen. Und

l vor wenn ich dann daran denke, wie mein Bruder, ach, lang' ist's her, mich von

oürde dort abholte und Holk mit ihm . . Fast war es wie der Leuchtthurm, von dem

lsches Capitän Brödstedt seine Bornholmerin herunterholte. Nun ein Leuchtthurm war

nmer es gewiß, für Dich und mich, ein Licht fürs Leben und hoffentlich bis in den

Lache Tod."