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Deutsche Rundschau.
Kopenhagner Geschichten. Wo sie's hernehmen, ist ein süßes Geheimniß. Einige sprechen von Dionysosohren, Andere von einem unterirdischen Gange, noch andere von einem Hansen'schen Teleskop, das Alles, was sich gewöhnlichen Sterblichen verbirgt, aus seiner Verborgenheit herauszuholen weiß. Und endlich noch Andere sprechen von einem Polizeichef. Mir die verständlichste der Annahmen. Aber ob es nun das Eine sei oder das Andere, soviel ist gewiß, beide Frauen, oder auch Damen, wenn Sie wollen, denn ihr Rang ist schwer festzustellen, wißen Alles, und wenn Sie jeden Morgen mit einer Frau Hansen'schen Ausrüstung zum Dienst erscheinen, so verbürg' ich mich, daß Sie gefeit find gegen intrikate politische Gespräche. Die Hansens, und speciell die junge, wissen mehr von der Gräfin Danner als die Danner selbst. Denn Polizeibeamte haben auf diesem interessanten Gebiete so zu sagen etwas Divinatorisches oder Dichterisches, und wenn nichts vorliegt, so wird Was erfunden."
„Aber da lerne ich ja meine gute Frau Hansen von einer ganz neuen Seite kennen. Ich vermuthete höchste Respectabilität . ."
„Ist auch da in gewissem Sinne. . Wo kein Kläger ist, ist kein Richter . ."
„Und ich werde mich, unter diesen Umständen, zu besondrer Vorsicht bequemen müssen .
„Wovon ich Ihnen durchaus abreden möchte. Die Nachtheile davon liegen oben auf, und die Vortheile sind mehr als fraglich. Sie können in diesem Hause nichts verbergen, selbst wenn Ihr Charakter das znließe; die Hansens lesen Ihnen doch Alles aus der Seele heraus, und das Beste, was ich Ihnen rathen kann, heißt Freiheit und Unbefangenheit und viel sprechen. Viel sprechen ist überhaupt ein Glück und unter Umständen die wahre diplomatische Klugheit; es ist dann das Einzelne nicht mehr recht sestzustellen oder noch besser, das Eine hebt das Andere wieder aus."
Erichsen lächelte.
„Sie lächeln, Erichsen, und es kleidet Ihnen. Außerdem aber mahnt es mich — denn ein Lächeln, weil es in seinen Zielen meist unbestimmt bleibt, kritisirt immer nach vielen Seiten hin — daß es Zeit ist, unsren Holk sreizugeben; es ist schon ein Viertel nach elf, und die Hansens sind reputirliche Leute, die die Mitternacht nicht gern Heranwachen, wenigstens nicht nach vorn heraus und mit Flur- Lampe. Drüben am Tisch ist übrigens auch schon Alles aufgebrochen. Ich werde inzwischen die Berechnung machen; erwarten Sie mich draußen an der Hauytwache."
Holk und Erichsen schleuderten denn auch draußen aus und ab. Als sich ihnen Perch wieder zugesellt hatte, gingen sie auf die Dronningens-Tvergade zu, wo man sich, gegenüber dem Hause der Frau Hansen, verabschiedete. Das Haus lag im Dunkel und nur das Mondlicht blickte, wenn die Wolken es frei gaben, in die Scheiben der oberen Etage. Holk hob den Klopfer, aber eh' er ihn fallen lassen konnte, that sich auch schon die Thür aus, und die junge Frau Hansen empfing ihn. Sie trug Rock und Jacke von ein und demselben einfachen und leichten Stoff, aber Alles, aus Wirkung hin, klug berechnet. In der Hand hielt sie eine Lampe von ampelartiger Form, wie man ihnen aus Bildern der Antike begegnet. Alles in Allem eine merkwürdige Mischung von Frousrou