Heft 
(1891) 66
Seite
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Unwiederbringlich.

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Bildnissen solcher Personen verweilten, die, gleichviel ob Männer oder Frauen, mit irgend einer romantisch-mysteriösen Liebesgeschichte verknüpft waren.

Sonderbar," sagte Pentz zu Ebba und wies auf die ältere der beiden Prinzessinnen, die, wie's schien, von dem Struensee-Porträt gar nicht los konnte.

Nein," lachte Ebba.Nicht sonderbar. Durchaus nicht. Oder verlangen Sie, daß sich junge Prinzessinnen für den alten Grundtvig oder gar für den Bischof Monrad interessiren sollen? Das Bischöfliche wiegt nicht schwer, wenn man Vierzehn ist."

Aber das Struensee'sche?"

Laus äonte."

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Am Nachmittage machte die Prinzessin, was nicht oft vorkam, einen Ausflug in die Umgegend, und am Abend, etwas noch Selteneres, erschien sie sogar in ihrer Theaterloge, hinter ihr die Schimmelmann und Ebba, hinter diesen Pentz und Holk.

Es wurde der zweite Theil von Shakespeare's Heinrich IV. gegeben, und nach dem dritten Acte, dem eine längere Pause folgte, nahm man den Thee, wobei wie gewöhnlich fleißig kritisirt wurde, denn die Prinzessin hatte noch die literarischen Allüren des vorigen Jahrhunderts. Es erheiterte sie, daß man nicht bloß zu keinem einheitlichen Urtheil kommen konnte, sondern, daß Jeder seinen Liebling und seine Renonce hatte, nicht bloß hinsichtlich der Schauspieler, sondern auch in Rücksicht auf die Shakespeare'schen Figuren. Die Prinzessin selbst, die immer was Besonderes haben mußte, war am meisten für die beiden Friedens­richter eingenommen und erklärte, diesen Geschmack schon in ihren jungen Jahren gehabt zu haben; eine vollendete Darstellung des Philistertums habe sie von jeher mehr entzückt als alles Andere, und nicht bloß auf der Bühne. Solche Friedensrichter liefen auch in der hohen Politik umher, und in jedem Ministerium ja, sie könne selbst ihren Freund Hall nicht ganz ausnehmen zumal aber in jeder Synode säße mindestens ein halbes Dutzend Figuren wie Schaal und Stille. Von Falstaff wollte Niemand etwas wissen, vielleicht weil er nicht ganz gut gegeben wurde, wogegen Holk für Fähnrich Pistol und Pentz für Dorchen Lakenreißer schwärmte. Doch unterließ er es, den vollen Namen zu nennen und sprach immer nur vonDorchen". Die Prinzessin ließ ihm, wie sie sagte, diese Geschmacksverirrung ruhig hingehen, ja, hatte Worte halber Anerkennung für ihn, weil er wenigstens ehrlich und consequent bleibe; zudem sei es das Klügste; jede andere Versicherung seinerseits würde doch nur ihrem Mißtrauen begegnet sein. Ebba mühte sich, auf diesen scherzhaften Ton der Prinzessin einzugehen, scheiterte aber völlig damit und verfiel schließlich in ein sich immer steigerndes nervöses Zucken und Zittern. Holk, der es sah, versuchte dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, kam aber nicht weit damit und war herzenssroh, als das Spiel auf der Bühne wieder seinen Anfang nahm. Man blieb indessen nicht lange mehr, kaum noch bis zum Schluffe des nächsten Actes, dann wurde der Wagen befohlen, und Pentz und Holk, nachdem sie seitens der Prinzessin gnädig entlassen waren, schleuderten, auf einem Umweg, auf Vincent's Restaurant zu, wo sie, bei schwedischem Punsch, eine Plauderstunde zu haben wünschten.