Unwiederbringlich.
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wird „Ich glaube, er hat ein gutes schwaches Herz."
ieder Die Prinzessin lachte. „Gewiß, das hat er. Aber damit kommen wir nicht
weiter. Also sage mir etwas über seinen Charakter. Der Charakter ist wichtiger als das Herz. Es kann Jemand ein schwaches Herz haben, aber doch zugleich einen starken Charakter, weil er Grundsätze hat. Und dieser starke Charakter jessin kann ihn dann retten."
nur „Dann ist Holk verloren," lachte Ebba. „Denn ich glaube, sein Charakter
ahm. ist noch viel schwächer als sein Herz; sein Charakter ist das recht eigentlich
Hba. Schwache an ihm. Und was das Schlimmste ist, er weiß es nicht einmal. Weil
klar er wie ein Mann aussieht, so hält er sich auch dafür. Aber er ist bloß ein
achte schöner Mann, was meist so viel bedeutet wie gar keiner. Alles in Allem, er
nisse, hat nicht die rechte Schule gehabt und seine bescheidenen Talente nicht nach der
statt- ihm entsprechenden Seite hin entwickeln können. Er mußte Sammler werden
rmen oder Alterthumsforscher oder Vorstand eines Asyls für gefallene Mädchen oder
man auch bloß Pomologe."
darf „Nun, nun," sagte die Prinzessin „das ist viel auf einmal. Aber sprich
halb nur weiter."
istäbe „Er ist unklar und halb, und diese Halbheit wird ihn noch in Ungelegen-
ebes- heiten bringen. Er gerirt sich als Schleswig-Holsteiner und steht doch als
;vous Kammerherr im Dienst einer ausgesprochen dänischen Prinzessin; er ist der leib-
per- hafte genealogische Kalender, der alle Rosenberge, den Filehner Zweig abgerechnet,
das am Schnürchen herzuzählen weiß und spielt sich trotzdem aus Liberalismus und
dniß- Aufklärung aus. Ich kenn' ihn noch nicht lange genug, um ihn aus all seinen
llicken Halbheiten ertappt zu haben, aber ich bin ganz sicher, daß sie sich auf jedem
Lines, Gebiete finden. Ich bezweifle zum Beispiel keinen Augenblick, daß er jeden Sonntag
leben- in seiner Dorfkirche sitzt und jedesmal aus seinem Halbschlummer auffährt, wenn
iesitzt, die Glaubensartikel verlesen werden, aber ich bezweifle, daß er weiß, Was drin
inung steht, und wenn er's weiß, so glaubt er's nicht. Trotzdem aber schnellt er in ch ge- die Höh' oder vielleicht auch gerade deshalb."
Worte „Ebba, Du gehst zu weit."
Weile „O durchaus nicht. Ich will vielmehr eine noch viel gewichtigere Halbheit
äffend nennen. Er ist moralisch, ja beinah tugendhaft und schielt doch begehrlich nach
Ver- der Lebemannschaft hinüber. Und diese Halbheit ist die schlimmste, schlimmer
e, als als die Halbheit in den sogenannten großen Fragen, die meistens keine sind."
lgenen „Nur zu wahr. Aber hier, liebe Ebba, Hab ich Dich just da, wo ich Dich
wahr, haben und halten will. Er schielt begehrlich nach der Lebemannschaft hinüber,
izessin sagst Du. Leider hast Du's damit getroffen; ich seh' es mit jedem Tage mehr.
Aber weil er diese Schwäche hat, müssen wir ihm goldene Brücken bauen, nicht nöchte zum Angriff, Wohl aber zum Rückzug. Du darfst ihm nicht, wie Du jetzt thuft,
guten unausgesetzt etwas irrlichterlich vorflackern. Er ist schon geblendet genug. So lange
er hier ist, mußt Du Dein Licht unter den Scheffel stellen. Ich weiß Wohl, daß das viel gefordert ist, denn wer ein Licht hat, der will es auch leuchten lassen; aber sonst Du mußt mir das Opfer bringen, und wenn es Dir schwer fällt, so behalte zu
nd ich Deinem Trost im Auge, daß seines Bleibens hier nicht ewig sein wird. Um
Neujahr geht er zurück, und haben wir erst wieder, Wohl oder übel, unsere alte