Das römische Heer.
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Lösung übertragen war, die nöthige Anzahl von Bürgern aus und befahl zugleich den Bundesgenossen, ein entsprechendes Contingent zu stellen. War der Kampf beendet oder wurde der Feldherr abberufen, so kehrten mit ihm meist auch seine Krieger in die Heimath zurück. Der neue Magistrat hatte für ein neues Heer zu sorgen und stellte, soweit es anging, nur solche Leute ein, die bei dem früheren Ausmarsch zu Hause geblieben waren. Dies änderte sich, als die panischen Kriege das Reich zwangen, seine ganze Wehrkraft bis aufs Aeußerste anzustrengen. Lange Jahre mußte seht der Bauer seinem Acker fern bleiben; das Gut verkam, die Familie darbte und mußte Schulden machen, und kehrte er endlich schlachtenmüde heim, so war aus dem behäbigen Grundbesitzer oft ein Proletarier geworden. Dies ertrug man mit opferfreudiger Hingebung, solange die Existenz des Staates auf dem Spiele stand; man ließ es sich seufzend gefallen, solange noch große Ziele winkten, deren Bedeutung auch der gemeine Mann begriff. Aber seit dem Ende der makedonischen Kriege fand man kaum noch einen Feind, dessen Besiegung solcher Opfer würdig schien. Zwar ruhten auch jetzt die Waffen nie; immer wieder mußte der Römer Weib und Kind verlassen, um in Afrika oder Makedonien, in Spanien oder Syrien ein jahrelanges Lagerleben zu führen. Doch die Aufgaben, welche ihm jetzt gestellt waren, konnten ihn nicht dazu begeistern. Es galt Ausstände niederzuschlagen oder wilde Horden zu züchtigen, welche die Provinzen gebrandschatzt hatten. Die Unterthanen, welche für den stolzen Bürger nur als Steuerzahler ein Interesse hatten, wollten doch von ihm vertheidigt sein; und um ihre Aecker zu schützen, sollte er den seinen dem Verfall überlassen!
Zum Ruin des kleinen Besitzes in Italien wirkten viele Gründe zusammen, aber ohne Zweifel war der Kriegsdienst einer der gewichtigsten. Was hals es, daß die Gracchen durch ihre Ackergesetze einige Tausend neuer Bauernhöfe schufen, wenn durch die lange Abwesenheit ihrer Herren die Wirthschaft vernachlässigt wurde, Schulden sich aus den Besitz häuften und er zuletzt doch in capitalkrästige Hände übergehen mußte. Die Heilmittel, welche die vornehmen Herren Demokraten anwandten, richteten sich nur gegen Symptome; das Uebel an der Wurzel zu fassen, blieb dem Bauernsohne Marius Vorbehalten, der aus eigener Erfahrung wußte, wo den kleinen Mann der Schuh drückte. Auch seine Reform sollte sich freilich in ihren schließlichen Folgen unheilvoll erweisen, doch schuf sie wenigstens die erste Bedingung für ein ruhiges Gedeihen der Landwirthschaft. Wenn nur nicht derselbe Marius zugleich das Elend der Bürgerkriege über sein Vaterland heraufbeschworen und so mit der einen Hand genommen hätte, was er mit der andern gab!
Während sich der kleine Eigenthümer in fernen Kriegen ruinirte, war der Besitzlose noch immer vom regelmäßigen Dienste ausgeschlossen. Und doch wären Sold und Beute, welche die Verarmung des Bauern oder Handwerkers nur in den seltensten Fällen auszuhalten vermochten, dem Proletarier als köstlicher Preis erschienen. Wäre es ihm nur gestattet gewesen, mit Freuden hätte er die Waffen ergriffen, unter deren Druck die gesetzlich Berufenen seufzten. Diesen Zustand beseitigte Marius, indem er die Wehrpflicht zu einer allgemeinen machte und ohne Rücksicht auf den Besitz in erster Linie diejenigen