Wer ist musikalisch?
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Ausbildung der Künste verfeinert, davon mehr im letzten Satz dieser Suite. Wir werden dort auch weiter darauf kommen, welche Bedeutung die, wenn auch relativ freie symmetrische Ordnung für die musikalischen Kunstsormen hat.
II.
lieber die Beziehungen von Tonhöhe, Tonklang und Tonstärke zu unserem Organismus.
Die peripherischen und centralen Endorgane unserer Nerven bestimmen die Modalität unserer Sinnesempsindnngen. Subjective Sinneswahrnehmungen, Sinneserregungen durch Vorstellungen. Hallucinationen.
Der Hörapparat des Menschen. Das Corti'sche Organ. Seine möglichen individuellen Verschiedenheiten. Mögliche Verkümmerung durch Krankheitsprocesse. Seine Beziehungen zu anderen individuellen Eigenschasten des Nervensystems. Hypothesen über die Art seiner physiologischen Wirkung. Obertöne. Klangsarbe. Tonstärke. Dämpfungsvorrichtungen.
Neberspringen von Tonempfindungen auf andere Nerven. Beziehungen zwischen Gehörsund Vibrationsempfindungen. Rein physiologische Mitempsindungen. Reflectorisch hervorgerufene Bewegungen. Tonwirkungen aus Hunde.
Alle Sinneserregungen werden durch eigenartig geformte, kleinste, nervöse, periphere Endorgane je in einer besonderen Weise ausgenommen, dem Gehirn durch verschiedene Nerven zugeleitet und im Gehirn durch besondere Gruppen von Zellen (Ganglienzellen) als von einander verschieden empfunden und unterschieden: centrale Endorgane. — Die Druck- und Temperaturempfindungen Werden als solche durch die Tastkörperchen und vielleicht noch durch andere Nervenendigungen in allen Theilen des Körpers — die Geschmacks- und Geruchsempsindungen durch wiederum eigenartig geformte Gebilde in der Zungen- und Nasenschleimhaut — die Licht- und Farbenempfindungen durch die Stäbchen und Zapfen der Netzhaut des Auges zum Gehirn geleitet. So Werden dem Gehirn die Schwingungen der Luft, wie sie immer entstanden sein mögen, durch einen besonderen nervösen Endapparat, welcher tief im schneckenartig geformten Theil des Labyrinthes (so nennt man den innersten Theil des Gehörorgans) verborgen und geschützt liegt, in specifischer Form zugeleitet und je nach ihrer physikalischen Beschaffenheit als Geräusche oder als Töne von anderen Empfindungen unterschieden, bewußt wahrgenommen.
Alle diese Endorgane der Sinnesnerven (periphere und centrale) können aber auch durch stärkeren oder schwächeren Druck erregt Werden; ein solcher Druck kann z. B. durch eine stärkere Füllung der feinsten Blutröhrchen ausgeübt werden. Ferner können die Endorgane erregt werden durch Beimischungen mancher Gifte zum Blut; z. B- kann Ohrensausen durch Chinin, allerlei beunruhigende Thier- und Menschenerscheinungen können durch Chloroform, Alkohol und Anderes, Jucken und Brennen in der Haut durch Genuß gewisser Speisen hervorgerufen werden. Aus diese Weise entstehen die sogenannten sübjectiven Sinneswahrnehmungen; es sind Resultate wirklich vorhandener Erregungen der nervösen Endorgane, welche wir nach außen verlegen, weil wir gewöhnt sind, dergleichen Erregungen vornehmlich von außen her zu empfangen: Sinneshallucinationen. Die ins Gedächtniß ausgenommenen und dort aufgespeicherten Sinneswahrnehmungen treiben aber auch ohne objective
Deutschs Rundschau. XXI, I. 7