Afrikanische Eindrücke
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innerhalb der Grenzen der Civilisation Lebende selten und dann nur in Ausnahmestellungen zu erlangen vermag.
Im Beginn aller Reisen nach dem Innern Asrika's stürmen Eindrücke in solcher Fülle aus den Fremden ein, daß er, zuletzt überwältigt, nicht mehr Alles auszunehmen vermag und dann nur noch ein Auge hat sür ganz besonders eigenartige Erscheinungen. Unwillkürlich beginnt er nach Derartigem zu suchen; seine Nerven sind überspannt, sie wollen immer stärkeren Anreiz. Da Außerordentliches aber nicht leicht zu finden ist, so stellt sich als unmittelbare Folge bald eine gewisse Ernüchterung ein. Dem früheren Enthusiasmus kann Abspannung, Niedergeschlagenheit Platz machen, sich sogar in eine Art krankhaften Heimwehs umwandeln. Nur die echte Begeisterung für das begonnene Werk kann über alles das hinweghelfen, zum Ausharren anspornen. Wem die Begeisterung fehlt, der trete unverzüglich den Rückweg an, wenn er nicht zu Grunde gehen will.
Wenden wir uns den Menschen zu, die sich vor Allem der Anschauung des Neulings ausdrängen, so werden wir die Bemerkung machen, daß diese schwarzen, in jeder Beziehung sonderbaren Gestalten mit ihren eigenthüm- lichen Gesichtszügen den Eindruck Hervorrufen, als sähe Einer aus wie der Andere. Es bedarf manchmal mehrerer Wochen, ehe der Europäer das Individuum zu unterscheiden vermag. Das rührt daher, daß im Anfang das Wesentliche der fremden Rasse einen so vorwiegenden Eindruck aus unser Auge macht, daß wir die Einzelheiten der Gesichtszüge dabei übersehen. Späterhin aber erkennen wir auch unter den Negergesichtern alle jene menschlichen Typen wieder, welche wir daheim bei den Angehörigen der eignen Rasse täglich beobachten, nur insofern anders als dieselben, wenn der Ausdruck gestattet ist, ins Negerhafte übersetzt sind. Bald wird man sogar die Beobachtung machen, daß dem jeweiligen Typus des Negergesichtes, in dem Wir die größten Ähnlichkeiten mit dem entsprechenden eines Weißen finden, auch genau derselbe Charakter entspricht, ja daß beide dieselben Bewegungen, denselben Gang, dieselbe Sprechweise haben. Wir können aus ihren Charakter und ihre Veranlagung Schlüsse ziehen, wie bei uns und fühlen uns unter Negern bald so heimisch wie unter Landsleuten, was die Aeußerlichkeiten angeht.
Der Neger, welcher uns an der Küste gegenübertritt, sei es in arabischen oder ausschließlich europäischen Kolonien, macht auf den Neuling nur den Eindruck eines einer fremden Rasse Angehörigen. Kommen uns aber die ersten Neger aus dem Innern zu Gesicht, so ist der Eindruck, den diese Menschen machen, entschieden der von „Wilden". Das sonderbar Unstäte im Wesen, die schnellen hastig eckigen Bewegungen, der scheue Blick, kennzeichnen sie. Manchen Stämmen ist ängstliche Zurückhaltung eigen; anderen freches, ausdringliches, unverschämtes Gebühren. Diese sind offenbar gewohnt, Furcht und Angst zu verbreiten. Keiner dieser „Wilden" aber vermag den Weißen zu schrecken. Wenn der erste Eindruck des Fremdartigen, Erstaunlichen überwunden ist, gewinnt sofort das Gefühl unendlicher geistiger Ueberlegenheit die Oberhand, und hinter dem scheuen zurückhaltenden oder hinter dem häufig frechen, patzigen Auftreten erkennt man den niederen geistigen Standpunkt des