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Deutsche Rundschau.
Schwarzen oder den im Grunde genommen feigen Prahlhans. Und auch das nimmt man sofort wahr, daß man als Europäer immer einen überwältigenden Eindruck auf den Wilden gemacht hat, und zwar vor Allem in geistiger Beziehung, mag jener noch so sehr bemüht fein, diesen Eindruck zu verschleiern. In den ersten Tagen, Wochen oder Monaten erscheinen die Neger, selbst diejenigen, welche noch nie mit Weißen oder Arabern in Berührung gewesen sind, als ganz verträgliche, mehr oder weniger angenehme Menschen. Bald aber folgt die Enttäuschung. Es entstehen aus den nichtigsten Ursachen Mißhelligkeiten, indem die Habsucht der Neger immer höhere, zuletzt nicht mehr erfüllbare, Anforderungen stellt. Streitigkeiten sind unausbleiblich. Was am einzelnen Neger unangenehm aufsällt, steigert sich in der Gesammtheit bis zum Unerträglichen. Erfahrungen schlimmer Art mehren sich, und grenzenlose Verachtung der Negerrasse im Allgemeinen ist das Endergebniß aller Beobachtungen.
Mit welchen Empfindungen steht nun der Europäer der ersten Wahrnehmung der Sclaverei gegenüber? Im höchsten Grade berührt es peinlich, sehen zu müssen, wie ein Mensch in Ketten oder Sclavengabel gelegt, wie ein Mensch als Waare behandelt, ge- und verkauft wird, und dem gegenüber vollkommen machtlos zu sein scheint. Man ist empört darüber, wie hier die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Hat man aber bei längerem Aufenthalte unter den Schwarzen deren wahren Charakter und vor Allem die dortigen socialen und wirtschaftlichen Verhältnisse studiert und verstehen gelernt, so kommt man von einem übergroßen Gefühl des Mitleides zurück. Ja, man ertappt sich mehr wie einmal bei dem Gedanken: diesem niederträchtigen Gesindel geschieht ganz recht. Nicht als ob man die Thatsache der Sclaverei, des Sclavenhandels und der Sclavenjagden irgendwie beschönigen oder verteidigen möchte: aber man sieht ein, daß man es hier mit einer Institution zu thun hat, deren unvermittelte Beseitigung nicht einmal für die Betroffenen selbst eine Wohlthat wäre. Ein im Grunde vergnügteres, sorgenloseres und vor Allem sorgenfreieres Volk als die Schwarzen gibt es nicht.
Ziemlich allgemein glaubt man, daß die Thierwelt Asrika's einen vorwiegend beängstigenden Eindruck machen müsse: die vielen bösen, stechenden, beißenden, zerstörenden Jnsecten, die giftigen Schlangen und anderes Gewürm, die mord- und raubgierigen Löwen und Panther, die heimtückischen Krokodile. Auch dieses ist nicht so schlimm in der Wirklichkeit, wie in unserer Vorstellung. Selten hört man von Unglückssällen in dieser Beziehung, oder hat man gar Gelegenheit, selbst unliebsame Erfahrungen zu machen. Bald schon denkt man nicht mehr daran, daß man von Schlangen gebissen, von Raubthieren zerrissen oder von mächtigen Vierfüßlern zertreten werden könnte. Der Jnsecten nur kann man sich kaum erwehren. Hingegen erregt die große Anzahl von Individuen, besonders bei dem Wild, oft genug das Erstaunen des Reisenden und reizt dessen Jagdlust.
In der uns umgebenden Natur fällt uns in erster Linie die blendende Helle der Luft aus. Die in den Tropen höher stehende Sonne sendet eine weit größere Fülle Lichtes herab als hier, wo die Strahlen schräg aussallen und so eine große