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Deutsche Rundschau.
Andere Missionar-Aerzte aus Swatow, Hangchow und Canton bestätigten die Erklärung vr. Boone's mit dem Zusatz, daß das Morphiumessen und, wiewohl seltener, der Gebrauch subcutaner Einspritzungen auch in den am Pangtsze und nördlich an demselben gelegenen Provinzen in bedenklicher Weise um sich greise; daß in einer Anzahl von Missionen und von Missionaren, die sich des Schadens, den sie verursachten, nicht bewußt seien, sowie von eingeborenen Christen diese Morphiumpillen und -Pulver verlaust würden. Morphiumessen sei aber schlimmer als Opiumrauchen! —
Die Versammlung beschloß aus den Antrag eines zu dem Zweck ernannten Comitäs, alle Missionare auszusordern, so weit als möglich den Verlaus von Morphium enthaltenden Anti-Opium-Mitteln zu verhindern; gewiß eine lobens- werthe Maßregel, die vielleicht aber zu spät kommen dürste, um den Schaden wieder gut zu machen, der von wohlmeinenden, aber unwissenden Leuten begangen worden ist.
Eine politische Bedeutung wird die Opiumfrage und die auf dieselbe bezügliche Agitation in Zukunft voraussichtlich mehr für England als für China haben, da die aus das Drängen der Anti-Opium-Gesellschaft vorgenommenen Erhebungen in Indien dort sehr viel böses Blut gemacht und ein ganzes oder theilweises Verbot des Anbaues die materiellen Interessen der ackerbauenden Bevölkerung wie auch der einheimischen Fürsten schwer schädigen würde. Eine solche Maßregel würde außerdem nur den Erfolg haben, nicht den Verbrauch herabzusetzen, sondern die Bezugsquellen zu verändern, wie denn der Ausfall, den die Seitens der indischen Regierung vorgenommene Verminderung der zur Auction gebrachten Quantität bengalischen Opiums zur Folge gehabt hat, einerseits durch die Mehrproduction an chinesischem, andererseits durch die Zunahme in der Einfuhr von persischem Opium (im Handel türkischer genannt), mehr als ausgeglichen worden ist.
II.
Während die Opiumsrage so, wenigstens für China, ihre acute Form verloren und vom politischen Gebiet ganz oder zum größten Theil auf das national-ökonomische übergegangen ist, wird die Missionarfrage von Tag zu Tag eine brennendere und muß und wird in nicht zu langer Zeit ein Eingreifen der chinesischen Regierung, wie der betheiligten fremden Mächte noth- wendig machen.
Das Vorwärtsdrängen der Missionare und der immer mehr die Form gewaltsamer Ausschreitungen annehmende Widerstand der chinesischen Bevölkerung gegen die ihr ausgezwungenen Segnungen der christlichen Propaganda sind Symptome, die nicht länger übersehen werden dürfen, wenn China und die Vertragsmächte sich nicht eines Tages einer Katastrophe gegenüber befinden wollen, deren Bedeutung und Tragweite sich kaum übersehen lassen, aber jeden Freund wahrer Cultur und Gesittung mit ernster Besorgniß erfüllen müssen.
Römisch- und griechisch-katholische und protestantische Missionare sind zu verschiedenen Zeiten in China thätig gewesen und sind es noch. — Am wenigsten Bedeutung besitzt, vom religiösen wie vom politischen Gesichtspunkt