Das vorarmenische Reich von Van.
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in einen mächtigen, mit kleiner Stauvorrichtung versehenen Sammelteich und weiterhin behufs Ueberführung über den Koschab auf den folgenden circa 4 Kilometern in erhöhtem Bette fort zum unteren Mefchingert, wo ein aus mächtigen, im Laufe der Jahrhunderte stets wieder erneuten Baumstämmen zwar ziemlich roh, aber doch sehr dicht zusammengefügter Holzcanal in etwa 3 Meter Höhe über den Fluß gelegt ist.
„Bis zum Koschab läuft auch der Canal unter mancherlei starken Krümmungen in der Hauptrichung, Nord, dann aber biegt er unmittelbar hinter der Ueberführung scharf nach Westen um, da er dort den das Haiozzor im Norden begrenzenden Bergzng erreicht hat, an dessen Fuße hier der Koschab nahe entlang strömt. Beim unteren Mefchingert führt eine große Holzbrücke über den Canal, der gleich daraus an hohen, steilen Felsenwänden vorbeifließt. Dort befindet sich circa 100 Meter westlich von der Brücke in einer Höhe von etwa 15 Metern über dem Canal an leicht zugänglicher Stelle auf einem großen Felsblock eine durch Wind und Wetter arg zerstörte vierzehnzeilige Keil- inschrist. Von hier ab läuft der Canal ununterbrochen am Fuße der erwähnten, zum Ban-See hin sich allmälig verflachenden Bergkette, wesentlich in westlicher Richtung, bis nahe zum Dorfe Jschchanikom hin, eine Strecke von circa 22 Kilometern, biegt dann allmälig ganz nach Osten um und läuft auf dem nördlichen Abhange desselben Bergzuges bis Artamid weiter. Bald hinter Artamid wendet sich der Canal nach Norden, um sich schließlich, wenige Kilometer südlich von Van, aus den dortigen Feldern zu verlausen, die in früheren Zeiten sehr wahrscheinlich die Gärten und Häuser der Stadt trugen, jetzt aber größtenteils unbebaut daliegen. Bis Artamid besitzt der Canal ein recht bedeutendes Gefälle und ist deshalb auch sehr reißend; späterhin ist dasselbe Weit geringer. Vom unteren Meschingert bis Surp Wartan ist der Bau des Canals, weil meist in lockerem Erdreich erfolgt, keinen besonderen Schwierigkeiten begegnet, dann aber war bis Artamid ein äußerst schwieriges Terrain zu überwinden, fast durchweg felsiger Boden, zerrissen durch tiefe, weit einschneidende Schluchten, lieber die letzteren fort hat man häufig genug den Canal in sehr eigentümlicher Weise geführt, indem man fortlaufend am Rande der Schluchten breite chllopische Mauern vom Grunde heraus bis zu der erforderlichen Höhe aussührte, aus deren Oberfläche dann das Canalbett angelegt wurde. Diese Mauern, welche oft eine Höhe von 15 Metern und darüber erreichen, sind aus kleinen und großen Felsblöcken ohne Bindemittel ausgesührt."
' Auch in anderer Beziehung noch ist nach Belck's Berichten dieser Aquäduct sehr merkwürdig. Das Bett desselben senkt sich nämlich nicht allmälig und gleichmäßig herab, sondern vielmehr in der Hauptsache sprungweise. Und überall da, Wo es die Umgebung irgendwie zuließ, find diese absichtlich hervorgerufenen kleinen Wasserfälle zum Betriebe von Mühlen — und zwar, was überraschend genug, aus dem Turbinenprincip beruhenden Mühlen — benutzt worden. Besonders scharf tritt dies aus der Strecke zwischen dem Anfänge des Canals und seiner Ueberführung über den Koschab hervor, wo das erhöhte, künstliche Bett von vornherein für den Betrieb mehrerer derartiger