Heft 
(1894) 81
Seite
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Das vorarmmische Reich von Van.

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NamenMenuas-Jnschrift" belegt haben konnte, daß demnach pili einen außerhalb der Inschrift stehenden Gegenstand bezeichnen müsse.

Die Canalinschriften des Menuas haben uns so nicht bloß die erste Bereicherung unserer Kenntniß des chaldischen Wortschatzes geliefert, sondern sie haben, was wichtiger ist, die Erkenntniß gezeitigt, daß für jeden Fort­schritt im Verständnisse der Inschriften von Van die genaue Beachtung des jedesmaligen Standorts der Inschrift und der Reste etwaiger alter baulicher Anlagen das unerläßliche Ersorderniß ist.

In ähnlicher Weise wie hier bei dem WorteCanal, Wasserleitung" ist die Ermittlung einer Anzahl anderer bautechnischer Ausdrücke gelungen und dabei ein Bild von der auch in anderen Richtungen außerordentlich aus­gebreiteten Bauthätigkeit des Menuas gewonnen worden. Außer einem zweiten Canal und zwei weiteren Städte-Gründungen komnll die Anlage von einer ganzen Anzahl kleiner Festungen und Burgen aus seine Rechnung. Menuas hat nämlich in glücklichen Kriegszügen die Grenzen des Chaldi-Reiches, wie aus dem zur Zeit bekannten Verbreitungsgebiet seiner Inschriften hervorgeht, ungleich weiter ausgedehnt, als man sich bisher vorgestellt hatte.

Er hat für seinen Vater Jspuinis die Gebiete südwestlich vom Süd­ufer des Urmia-Sees und im Norden das ganze Gebiet bis zur Eriwanschcn Ebene hin erobert. Nach Jspuinis Tode eroberte Menuas die Länder am Oberlaufe des Murad bis zu dem westlichen Quellfluß des Euphrat hin und dehnte sein Gebiet im Südwesten auf Kosten der syrischen Staaten bis Malatiyeh (Melitene) aus, das den Assyrern bis dahin tributpflichtig gewesen war; kurz, Menuas beherrschte bereits das weite Gebiet vom Westufer des Urmia-Sees bis über Malatiyeh und Erzerum hinaus einerseits und vom Araxes im Norden bis zum Südufer des Urmia-Sees andererseits.

Die Regierung seines Sohnes, Argistis l., bezeichnet den Höhepunkt der chaldischen Macht. Auf seinen siegreichen Feldzügen, über welche uns seine aus dem Burgberg von Van in den Felsen eingehauenen umfangreichen Annalen berichten, überschritt er den Araxes, drang über Eriwan bis an das Nordost- nfer des Göktschai-Sees vor und schlug die heutigen Gouvernements Eriwan und Kars zum Gebiete seines Reiches. Im Osten aber unterwirft er sich die Ge­biete am Südost- und Ostufer des Urmia-Sees Gebiete, die von Salmanassar II. Assyrien tributpflichtig gemacht waren und rühmt sich bei dieser Gelegen­heit, die Truppen Assyrien's wiederholt geschlagen zu haben. Auch im Westen erlitt die Herrschaft der Assyrer durch Argistis weitere Schmälerungen und Erschütterungen.

Zu den Assyrerkönigen, mit denen er zu kämpfen hatte, gehört, den chronologischen Verhältnissen nach, Salmanassar III. (783773), der nach Ausweis der assyrischen Eponhmenlisten in sechs von den elf vollen Jahren seiner Regierung gegen Urartu zu Felde zog. Seine beiden nächsten Nachfolger scheinen aus jeden thätigen Widerstand gegen Chaldia verzichtet zu haben, während im Reiche von Van nach Argistis' Tode Sardurll. die kriegerischen Unternehmungen des Vaters erfolgreich fortsetzte. So schien es, als solle die Suprematie im westlichen Vorderasien dauernd den Chaldern zusallen, als