Heft 
(1894) 81
Seite
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Das vorarmenische Reich von Van.

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Außer der mehrfach wiederholten PhraseRusas spricht (also:)", die darüber keinen Zweifel ließ, daß wir es mit einer Urkunde eines der ander­weitig bereits bekannten chaldischen Könige dieses Namens zu thun hatten, war aus dem Vorkommen verschiedener, zwar in den chaldischen Inschriften bisher unbelegter, aber von dem assyrischen Schriftbrauche her wohlbekannter Ideogramme ersichtlich, daß die Inschrift von Wasserbauten und von einer Regulirung von Flußläusen sprach: ja es wurde der Name eines Flusses: Ala'is erwähnt; ferner kam ausfallend oft das Wort Rusachina, d. h. Stadt oder Städte des Rusas, vor, und schließlich erschien besonders bemerkenswert^ daß von der Anlage von Weinpslanzungen, Hainen und Gärten die Rede war, und zwar unter gleichzeitiger Erwähnung der Einwohner der Stadt Tusp a- Van. Der Schluß lag nahe, daß das als Keschisch Göll bezeichnet Wasser­becken bestimmt war, als Reservoir für die Bewässerung der von Rusas an­gelegten Gartenstadt zu dienen. Denn diese Rusasstadt konnte in der öden Umgebung des Keschisch Göll nicht gesucht werden, und andererseits war, da in der beim Keschisch Göll aufgestellten Stele unausgesetzt von der Rusasstadt die Rede war, anznnehmen, daß zwischen dem Staubecken und der Stadt­anlage irgend welche Beziehung bestände. Daß jener von Rusas III. erbaute Tempel einen Bestandteil der Rusasstadt gebildet habe, mußte von vorn­herein als eine naheliegende Annahme gelten. Die Gartenanlagen, von denen in der Inschrift die Rede ist, mußten in diesem Falle südlich des Toprak- kaleh belegen gewesen sein, ähnlich wie die ältere Gartenstadt, die der Menuas- canal bewässerte, südlich vom Citadellenberg, wenn auch von diesem etwas entfernter, sich ausgedehnt hatte.

Wenn nun die topographischen Verhältnisse der Art waren, daß der Ab­fluß des Keschisch Göll etwaige am Fusse des Toprakkaleh belegene Garten­anlagen bewässern konnte, so war die Annahme, daß wir im Keschisch Göll den in der Inschrift genannten Rusaisue (was dann als Rusas-See zu fassen wäre), in den Anlagen ans dem Toprakkaleh den zu den Burgbauten der Rusasstadt Rusachina gehörigen Tempel zu erblicken haben, aus die höchste Stufe der Wahrscheinlichkeit gerückt.

Daß sich die Sache thatsächlich so verhielt, daß der Abfluß des Keschisch Göll nothwendiger Weise die Ebene südlich des Toprakkaleh treffen muß, konnte mir Belck nicht nur bestätigen, sondern weiter noch als ent­scheidendes Argument für diese Identification hinzufügen, daß, wenn einmal (aus irgend welchen Gründen) die Anlage von Pflanzungen am Fuße des Toprakkaleh beschlossen war, auch eine neue Bewässerungsanlage nöthig wurde, da es nicht anging, den Semiramis-Menuas-Canal einfach nach Toprakkaleh hin zu verlängern, weil diese Lokalität bedeutend höher als die frühere, südlich des Citadellenberges belegene Gartenstadt liegt. Vielmehr wäre es für diesen Zweck erforderlich gewesen, dem Canal schon mindestens von Jschchanikom ab einen ganz anderen Lauf mit geringerem Gefälle zu geben, wobei man noch mehr in das Gebirge mit seinen Schluchten hineingerathen wäre, als es jetzt schon, zumal bei Artamid, der Fall ist. Einer solchen Arbeit gegenüber er­schiene die Anlage der Keschisch Göll-Leitung mit ihrer sich durch die natürliche