Heft 
(1894) 81
Seite
425
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Auf der Bresche.

Sie ziehn dahin, ein ernst geschlossner Zug, Entblößten Haupts und stumm.

Das lange schwarze Bahrtuch deckt ringsum Des Todten Sarg und wallt im Windesflug.

In die gefurchten Stirnen gräbt sich fest Brütende Trauer ein.

Vergebens lacht herab der Sonnenschein;

Die Thräne quillt, die Jeder fließen läßt.

In den sechs Brettern naht der arme Tropf Zerschmettert seinem Grab.

Vom Dach, wo er geschafft, stürzt' er herab, Zerschellt' aus hartem Pflaster seinen Kops.

Von Leben strotzend, schön wie ein Titan,

Wenn er da oben stand,

Stürzt' er. Die kalte, dürre Todtenhand Faßt einer Wittwe Herz nun schaurig an.

So trägt man, den die Hand des Herren schlug, Zur letzten Ruhe fort.

Nach des Vergessens und des Schlummers Ort Ziehn sie dahin, ein ernst geschlossner Zug,

Und denken, ob ein Schicksal, diesem gleich,

Auch ihnen werden soll.

Arbeit ist Kriegsdienst, und sie wissen's Wohl. Schwer athmen sie, und ihr Gesicht wird bleich.

Herkulische Männer, voller Muth und Fleiß,

Und ihre Träume sind

Ein heitres, kleines Haus und Weib und Kind. Und Mancher doch fällt morgen schon wer weiß

Von einem Dach, kommt im Fabriklärm um,

Ein Sturz bricht ihn entzwei Der Decke wer hört seinen letzten Schrei?

Ein Opfer mehr wer kümmert sich darum?

Die Lücke, die der Tod riß, füllt sich wieder.

Trauer bringt Hoffnung mit.

Ein zahllos Heer rückt vor mit stetem Schritt Und setzt den Fuß aus die gesallnen Brüder.

Und wie aus Gräbern mit vergnügtem Sinn Harmlose Kinder spielen,

So überm Staube Derer, die da fielen,

Ziehn unbedenklich die Lebend'gen hin.

So seh' ich euch nun wieder . . .

So seh' ich euch nun wieder, arme Zimmer Mir scheint ihr schön in meiner Mutter Haus Mit wie viel Hoffnungen, von ros'gem Schimmer Umflossen, zog ich einst aus euch hinaus!

So seh' ich euch nun wieder, arme Zimmer.