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Deutsche Rundschau.
Du Weißes Bett, drin ich als Kind gelegen,
Ihr schönen Blumen und mein Spielzeug hier!
Wie sanft und traulich, wie ein Himmelssegen,
Von Jugendfrühlingstagen redet ihr!
Du weißes Bett, drin ich als Kind gelegen.
Die Hoffnung will im Herzen neu erglühen,
Da theurer Zeit Erinnern sich erneut.
Der Glaube läßt ein Lächeln neu erblühen,
Das längst mein Mund verlernt, nur schöner heut. Die Hoffnung will im Herzen neu erglühen.
O Mutter, hier, so fern dem Weltgewühle Neig' ich bei deinem Kosen still das Haupt,
Daß ich auf deinem Schooß als Kind mich fühle. Dir sage, was den Frieden mir geraubt,
O Mutter, hier, so fern dem Weltgewühle.
Verlaß, verlaß mich nicht, du einzig eine Zuflucht für meine traurigen zwanzig Jahr'!
Mutter, du weißt's, bei dir, Lei dir alleine Vergesst ich, wie so hart mein Schicksal war.
Verlaß, verlaß mich nicht, du einzig Eine!
Ein Friedenshauch dringt aus der Luft hernieder. Wie hell entflammt im Blau die Sterne sind!
Ein jedes Menschenleid entschlummert wieder,
Die Blumen schlafen, und es schweigt der Wind . . . Ein Friedenshauch dringt aus der Luft hernieder.
Eine aus dem Volk.
Die Spindel schnurrt, der Faden läuft, ich finge: Bin achtzehn Jahre nun,
Hab' einen Schatz, ein Kleidchen von Kattun,
Zwei schöne Augen und bin guter Dinge.
Lös' ich mein rothes Haar, in dessen Locken Erglänzt ein goldner Schein,
Blitzt Jedem, der mich sieht, ins Herz hinein Ein Funke; seines Blutes Pulse stocken.
Mich kümmert's nicht; dem faden Schmeichlerhaufen Lach' ich nur ins Gesicht.
Für meinen Schatz spar' ich die Küsse; nicht Um eine Welt könnt' sie ein Andrer kaufen.
Ich lieb' ihn. Wie des Hammers König seh' ich Ihn in der Schmiede stehn.
Wie ist er hoch und stark, nervig und schön!
Nur wie ein Kind an feiner Seite steh' ich.