Ada Negri.
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Schlägt er das glüh'nde Eisen, um von Schlacken Das starre zu befrei'n,
Und glüht dann sein Gesicht vom Widerschein Und schwillt so mächtig sein entblößter Nacken,
Fühl' ich in meinem Stolz mich so erhaben —
Die Welt versinkt umher.
Mein Dämon, ja, mein Abgott ist nur Er;
Für mich, sür mich allein will ich ihn haben.
Und wart' ich dann auf ihn in meiner Kammer,
Und schon verstrich die Zeit —
Die Kehle schnürt mir's zu vor Bitterkeit,
Und um die Brust legt sich's wie eine Klammer.
Doch jetzt — sein Schritt erdröhnt schon ans den Stiegen — Die Thür geht aus — die Hand Bebt — mein Gesicht wird weiß wie dort die Wand,
Doch Flügel Hab' ich, ihm ans Herz zu fliegen.
Strahlend von Liebe, mag auch Ruß ihn schwärzen,
Müd' von des Tages Last,
Hat er mich glühend in den Arm gefaßt,
Und schlagen darf mein Herz an seinem Herzen.
Heidnischer Kuß.
Im goldnen Aehrenseld, im Angesicht Der Sonne, die in Gluth getaucht das Thal, Das dampft von Wärm' und Licht,
Küßt' er sie auf den Mund zum ersten Mal.
Der blaue Himmel lacht, es lacht die Flur Den liebetrunknen Zwei'n.
Rings jauchzt um sie die mächtige Natur Bei diesem Kuß, so frisch und süß und rein.
Aus den erschlossnen Kelchen quillt ein Dust Als wie von Lippen, die nach Liebe schmachten.
Empor steigt in die Luft Der Erde Blüthenhauch, der neu erwachten.
Lächelnd inmitten alles Grüns umschlingt Sich zärtlich Arm und Arm,
Jndeß ein Lerchentriller aufwärts dringt Zum weiten Firmament, so blau und warm.
Und allumher, dort unterm Schattendach Des Hains, im blonden Korn, im dunklen Nest Bebt wie berauschend nach Der Kuß, der neues Leben aufblühn läßt.