Heft 
(1894) 81
Seite
428
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Deutsche Rundschau.

Nur dich.

Hier dich, nur dich allein! O laß mich, laß Mit Schluchzen mich an deine Schulter lehnen, Ausweinen, was ich litt ohne Unterlaß,

Die Qualen all' und das geheime Sehnen!

Ich sehne mich nach Thränen.

An dein hochklopfend Herz o laß mich, laß Das Haupt mich schmiegen, das der Schlaf gemieden, Der welken Rose gleich, von Thaue naß,

Dem Vogel, dem kein warmes Nest beschieden!

Ich sehne mich nach Frieden.

Aus deine junge Stirn o laß mich, laß Die Lippe drücken, heiß von Langem Triebe,

Und flüstern dir ins Ohr, im Uebermaß Des Glücks, ein einzig Wort so süß und trübe:

Ich sehne mich nach Liebe!

Während des Orkans.

Wenn in des Ungewitters grimmem Tosen Der Sturmwind heult, die Lüfte gelblich sprühn, Und Aeolus gleich einer zügellosen Furie hineinzischt in der Blitze Glühn,

Dann, in der Elemente wildem Streite Von goldnem Strahl umzückt,

Möcht' ich vergehn, verlieren mich ins Weite,

So, an dein Herz gedrückt.

Jndeß im Fieber Erd' und Himmel zagen,

Ins Grenzenlose sortgestürmt mit dir,

Vom alten, bittern Kampf würd' ich dir sagen, Den du nicht ahnst und Gott nicht kennt in mir. Rings um mich her des Wettersturms Empörung, Nacht, jedes Sterns beraubt.

Zu meinen Füßen Schrecken und Zerstörung,

An deiner Brust mein Haupt!

Trag mich fort!

O trag hinauf mich, wo im ew'gen Eise Der Berghang wie gediegnes Silber blinkt. Wo durch des Aetherraums azurne Kreise Der Adler rauschend sein Gefieder schwingt!

Wo nicht der Boden Koth, wo der verhaßten Stimme der Welt ich sicher bin entrückt.

Wo ich die Schwere minder fühle lasten Des dürren Kreuzes, das mich niederdrückt.