Heft 
(1894) 81
Seite
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Ada Neger.

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O trag hinauf mich, daß wir Küsse tauschen, Umspielt vom Hauch der herben Bergeslust! Dort will ich kosend dir das Herz berauschen Mit Frührothlächeln und Cyclamendust.

Mein Herz bedrängt der graue Nebelreigen,

Im Reisfeld hier verstummt der Muse Wort. Ich will dich lieben dort im ew'gen Schweigen Des Hochgebirgs o Liebster, trag mich sort!

Im April.

O Liebe, Liebe, Liebe! Weit und breit Fühl' ich dich göttlich in der Sonne beben,

Im Hauch des Windes, der die Brust befreit,

Im sanften, reinen, zitternd süßen Dust Der ersten Veilchen schweben.

Als Lebenssaft befruchtend quillst du warm In aller Keim' und Sprossen Lenzgewimmel, Jauchzest im Lerchenlied, belebst den Schwarm Von tausend goldnen Pünktchen und versprühst Licht über Erd' und Himmel.

O Liebe, Liebe, Liebe! Lenz beginnt Im Wonnetaumel nur durch dein Gebot.

Den Rosen gibst du Duft, beschwingst den Wind, Segnest die Flur mit Strahlen und mit Küssen / In mir nur bist du todt.

Komm mit ins Feld!

Komm mit ins Feld! Mein seidner Schuh, vom Thaue Wird er benetzt, und wo in Blumen steht Die Wiese, will ich pflücken roth' und blaue,

All' diese jungen Triebe.

Komm mit mir in die Wälder, mein Poet,

Doch sprich mir nicht von Liebe!

Die Schwalbe schwingt sich durch den ros'gen Himmel, Die feuchten Blätter blitzen wie Demant.

Im Moose der Jnsecten Glanzgewimmel Freut sich des kurzen Lebens.

Schau, wie viel Licht und Jubel rings im Land!

Gott waltet nicht vergebens.

Sprich mir von Liebe nicht! Von jenem Glanze Ist unsre Seel' ein blasser Widerschein.

Sieh, wie in dieser Strahlen Feuerkranze Die Flur erglüht vor Wonne,

Welch einen mächt'gen Liebesbund geht ein Die Erde mit der Sonne!