Deutsche Rundschau.
Du kannst so ewig küssen nicht und kosen.
Aus Schwachheit und aus Eifersucht gewoben, Aus trübem Nebeldunst und Winterrosen,
Aus heiß' und kaltem Triebe —
Sag, gegen all' den holden Einklang droben Was gilt Wohl deine Liebe?
Ich will, ich will nur Muren ohne Ende,
Wo Alles keimt und jede Knospe springt; Gleich einem flinken Roß im Thalgelände So will, so will ich schweifen,
Nach allem Glanz, der an der Iris blinkt.
In alle Meere greifen,
Das Laub abreißen und den Stengel knicken, Vom Bergeshauch entfesselt Seel' und Sinn, Dort aus des wolkennahen Gipsels Rücken Am Sonnengold erwärmen,
Berauscht vom Glück, gleich einer Sultanin In eines Königs Armen.
Hast du gearbeitet?
Also du liebst mich. Du gestandst mir's. Zitternd nun Schweigst du und harrst, und vor der Antwort bangst du, Verfärbten Angesichts.
Ein Lächeln, einen Kuß von mir verlangst du Und meiner Jugend Blüthe —- weiter nichts.
Doch sag: kennst du die Kämpfe, das gewaltige Ringen nach hohem Ziel, die nie erkalten?
Weißt du, was Leiden heißt?
Wozu denn hast du Kraft und Blut erhalten Und deines Athems Hauch und Seel' und Geist?
Kennst du die Arbeit? Jene ernsten, männlichen Schlaflosen Nächte, strengem Werk erkoren,
Hast du sie je gekannt?
Welch einem Banner hast du zugeschworen Die schöne Jugendzeit, eh' ich dich fand?
Du schweigst? O geh von hinnen! Zu den lustigen Genossen träger Stunden magst du kehren,
Bei denen such dein Heil,
Bei deinen Bällen, Karten und Hetären!
Mein Herz und meine Küsse sind nicht seil.
O, wenn erschöpft, zerlumpt du mir begegnet wärst,
Doch Stolz im Antlitz, den die Arbeit weckte,
Ein Werk, das gut und nütz,
Wenn arbeitsmatt nach mir dein Arm sich streckte Und dir im großen Auge stammt' ein Blitz,