Heft 
(1894) 81
Seite
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Deutsche Rundschau.

Mit tausend Küssen dann aus Mund und Augen Möcht' ich ihn an mich ziehn Und, zärtlich schwesterlich bemüht um ihn,

Mit Schluchzen in sein Ohr die Worte hauchen:

In Noth und Kummer lebt' auch ich. Auch ich Entsproß dem Dornenstrauch.

In die Fabrik ging meine Mutter auch;

Ich weiß, was leiden heißt, ich liebe dich!

Cascade»

Aus wie hohem Quell bist du entsprungen, Ungestümer Sturzbach du?

Klippenabwärts kühn zu Thal geschwungen Rauschest du dem Meere zu,

Schäumst und sprühst und glänzest. Nichts hält aus Den jahrhundertlangen Lauf.

Aus wie hohem Quell bist du entsprungen, Lichtgedankensluth,

Dran die Menschheit labt der durst'gen Zungen Ungestillte Gluth?

Sonnen spiegeln sich in dir, und nichts hält auf Deinen Ewigkeitenlauf.

Vis an mein Ende und drüber hinaus.

Sie sagte mir: du kannst nicht lachen. Immer Verwünscht dein herber Vers und grollt und höhnt.

Ein Lied gelingt dir nimmer Voll Freudejauchzen, drin im Licht die süße Musik der Küsse tönt.

Du kennst nicht apollinisch Helle Töne,

Der griechischen Göttin gleich, die ihr Gewand Abwirst, in nackter Schöne Empor sich schwingt und aus den Lüsten streut Glhcinien und Akanth.

Und weiter sprach sie: Wo bist du geboren?

Hat eine böse Fee zur Dichterin Des Unheils dich erkoren

Schon in der Wieg' ? Und ich: Arm war die Hütte, Drin ich geboren bin.

Dem Schlamm entsproß ich. Durch der goldnen Sonne Triumphgesang, die Hymnen, die das All Durchbeben voller Wonne,

Dringt nah und fernher an mein Ohr von Klagen Ein banger Widerhall.