Heft 
(1894) 81
Seite
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Deutsche Rundschau.

Der Kampf dauert also fort, und der Boycott ist, wie nach dem ersten miß­glückten Einigungsversuche, nur verschärft worden.

In welcher Lage sind nun die Streitenden? Die vom Verrüfe betroffenen Brauereien haben an Absatz verloren, ihre Production eingeschränkt, und natürlich wirkt eine Verminderung ihres Betriebes auch auf die mit der Brauindustrie verwandten Gewerbe. Einer großen Anzahl von Arbeitern, die sonst mit dem Beginn des Winters in den Brauereien und den mit ihnen zusammenhängenden Gewerben Beschäftigung hatten, fehlt es an Verdienst. In den Brauereien der Ueberläuser haben nur Vereinzelte Beschäftigung finden können; die Arbeitslosen find also auf die Unterstützung ihrer Genossen angewiesen, die, so reichlich sie im Anfang war, mit der Zeit immer spärlicher stießen muß. Für die Brauereien hat aber der Lohnkampf einen nicht zu unterschätzenden Vortheil: ihr Solidaritäts­gefühl ist erwacht; im ganzen Reich bilden sich Verbände gegen die Gefahr, die den Brauereien von Seiten der Arbeiterschaft durch die Verrufserklärungen droht. In Friedrichroda ist am 22. September d. I. eine Gemeinschaft unter der Be­zeichnungGarantiefonds zum Schutz gegen Verrufserklärungen" gebildet worden. Dieser Garantiefonds ist für ganz Deutschland bestimmt, und aus ihm soll jedem vom Verrüfe betroffenen Brauer, der demselben angehört, der erlittene Schaden ersetzt werden. Auf diesem Wege der Selbsthülfe hoffen die Brauereien für dre Zukunft aller ungerechtfertigten Ansprüche der Arbeiter sich erwehren zu können. Möchten die übrigen Jndustrieen diesem Beispiel folgen und ihren Schutz in der Selbsthülse suchen!