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Deutsche Rundschau.
darunter 200 Europäer, liegt. Ein in europäischem Styl erbauter Palast, die wenigen massiven Regiernngsgebäude und Europäern gehörenden Privathüuser sind umgeben von den zwischen Baumgruppen liegenden Hütten der Eingeborenen. Der wichtigste Hafenplatz ist Tamatave aus der Ostküste mit 15 000 Einwohnern, worunter sich hundert Europäer, hauptsächlich Franzosen, befinden. Im Jahre 1890 liefen 255 Handelsschiffe dort an, von denen weit mehr als die Hälfte englischer, die übrigen französischer und deutscher Herkunst waren. Der belebteste Hasen an der Westküste ist Mojango mit 10 000 Einwohnern; der Verkehr daselbst erreicht die Höhe desjenigen von Tamatave.
Der Handel Madagaskars ist trotz des großen Reichthums der Insel noch wenig bedeutend. Durch die Indolenz der Eingeborenen bleibt ein großer Theil der natürlichen Erzeugnisse unbenutzt, und aus Mangel an ordentlichen Verkehrswegen wird jeder Aufschwung beträchtlich gehindert. So liegen z. B. die reichen Kohlengruben aus Madagaskar noch immer unausgebeutet da. Die ziemlich hohen Einfuhrzölle erhebt die Hova-Regierung in Waaren, und auch aus die zum Export bestimmten Artikel ist ein unmäßiger, bis 35 Procent betragender Ausfuhrzoll gelegt. Geradezu paralysirend auf den Handel in Madagaskar Wirkt aber das dort herrschende Münzsystem. Nur die französischen Fünssrankenstücke in Silber cursiren im Lande; für den Kleinhandel werden diese Silbermünzen in Stücke bis zur Zahl von sechzig Zerschnitten und besonders abgewogen.
In der Zone des Südostpassats gelegen, sind die Ostküsten der Insel feucht, die Westküsten im allgemeinen trocken. In den sumpfigen Niederungen der Küstenstriche erzeugt die tropische Hitze Fiebermiasmen, welche der Insel den Namen des „europäischen Kirchhofs" eingebracht haben. In den Bergen und aus den Hochebenen dagegen ist das Klima durchaus gesund und die Temperatur nur müßig warm. Die höchsten Berggipfel (fast 3000 Meter) sind mehrere Monate hindurch mit Eis bcdeckt.
Madagaskar, von den Eingeborenen Nossindambo (Insel der wilden Schweine), von den Arabern Dschefira el Komr (Mondinsel) genannt, wurde schon Ende des 13. Jahrhunderts von Marco Polo erwähnt, aber erst zu Anfang des 15. Jahrhunderts durch portugiesische Seefahrer wieder ausgesunden und in Europa bekannt. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts machten die Franzosen vergebliche Versuche, aus Madagaskar festen Fuß zu fassen, und besetzten während des 17. und 18. Jahrhunderts einige Häsen an der Küste. Aber alle Bemühungen der Franzosen, die Insel zu colonisiren, mißlangen. Nunmehr griffen die Engländer erfolgreich ein. Besonders war es das Reich der Hova, 1801 durch den ersten König Radama begründet, mit welchem England Verträge abschloß. Englische Osficiere organisirten die Hova-Armee, englische Missionare unterrichteten die Hova-Kinder. Diese Schritte der Engländer stachelten Frankreich zu einer neuen und noch energischeren Einmischung an, durch welche Madagaskar unter französische Schutzherrschast gestellt werden sollte. Da sich die Hova-Regierung dieser Forderung widersetzte, kam es 1883 zum Kriege. Die Franzosen nahmen den Haupthasen Tamatave ein und blockirten die Ostküste der Insel. Aber erst nach dreijährigen Anstrengungen gelang es den Franzosen, einen Friedensvertrag bei den Hovas durchzusetzen, welcher das französische Protektorat über Madagaskar bewilligte. Die politische Selbständigkeit der Hova-Regierung jedoch vermochte Frankreich nicht zu brechen. Erst vor wenigen Wochen hat die französische Regierung einen Specialbevollmächtigten nach der Haupstadt der Hova, Tananarivo, entsendet, welcher von der madagassischen Regierung die Anerkennung des effektiven Protektorats Frankreichs mit allen seinen politischen wie diplomatischen Consequenzen und außerdem die Besetzung der Hauptstadt durch eine permanente französische Garnison fordern sollte. Da die Hova diesen in Form eines Ultimatums überreichten Forderungen sich widersetzt haben, rüstet man in Frankreich offen zum Feldzug gegen Madagaskar.
N.